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Der ganze Wagner in 40 Stunden

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Zehn Werke in drei Wochen: Die Hamburger Staatsoper eröffnet den "Wagner-Wahn" zum 200. Geburtstag des Komponisten mit "Lohengrin"

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erstellt am 14.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner (1813-1883) hat sich Hamburgs Generalmusikdirektorin Simone Young einiges vorgenommen: Mit einem Kraftakt will die gebürtige Australierin alle zehn Hauptwerke des Komponisten in drei Wochen dirigieren. 61 Kilogramm bringen allein die Partituren auf die Waage. Reine Spieldauer aller zehn Werke: 39 Stunden und 45 Minuten, 1234 Kostüme kommen zum Einsatz, für den Transport der Kulissen werden 40 Sattelschlepper benötigt. Am Sonntagabend begann der Wagner-Marathon, der so gut wie ausverkauft ist, mit einem umjubelten "Lohengrin". Sollte es so weitergehen, ist Young der spektakuläre Coup gelungen.

Anders als bei der Premiere vor 15 Jahren wurde Peter Konwitschnys ironisch-heitere "Lohengrin"-Inszenierung, die die romantische Handlung aus dem Mittelalter in ein wilhelminisches Klassenzimmer verlegt, mit viel Beifall bedacht. Applaus im Stehen gab es vor allem für Simone Young am Pult der Philharmoniker, aber auch für den Chor und die Sänger, allen voran Georg Zeppenfeld als König Heinrich und Katja Pieweck als Ortrud, ebenso für Hans-Joachim Ketelsen als Telramund und Petra Maria Schnitzer als Elsa. Burkhard Fritz als Lohengrin musste im dritten Aufzug wegen einer allergischen Reaktion, die auf die Stimme schlug, durch Stig Andersen ersetzt werden, der heute den Tristan singt.

Neben dem "Lohengrin" steht noch Peter Konwitschnys Inszenierung der "Meistersinger von Nürnberg" aus dem Jahr 2002 auf dem Programm, die mit einer furiosen Festwiesenszene und einer Unterbrechung der Ansprache von Hans Sachs für einen Skandal sorgte. Legendär sind auch Ruth Berghaus strenge Interpretation von "Tristan und Isolde" (1988) und Robert Wilsons kluger "Parsifal" (1990).

Komplettiert wird der "Wagner-Wahn" durch Harry Kupfers "Tannhäuser" (1990) und Marco Arturo Marellis "Der fliegende Holländer" (1996). "Das sind absolute Meilensteine in der Geschichte der Hamburgischen Staatsoper", sagte Young. Hinzu kommt noch der "Ring"-Zyklus von Claus Guth, den sie in den vergangenen Jahren herausbrachte.

Simone Youngs erste Begegnungen mit Richard Wagner waren Schallplattenaufnahmen, die sie als Studentin im Alter von 21 Jahren in einem Bus nach Melbourne hörte. Seitdem hat die 52-Jährige, die seit 2005 die Hamburger Staatsoper leitet, der Komponist nicht mehr losgelassen.

Vor allem ihm zuliebe kam die Australierin nach Deutschland und lernte die deutsche Sprache. "Ich erinnere mich an jenen Moment, als ich vor der Alten Pinakothek in München stand und mir dachte, ich könnte jetzt jedem auf Deutsch erzählen, wo die Riesen ihre Schätze versteckt haben, aber wie man mit dem Bus zum Marienplatz kommt, das kann ich noch nicht fragen, weil es in keinem Wagnerlibretto vorkommt", erinnert sie sich im Opern-"Journal".

Besonders freut sich die Dirigentin auf die vielen Sängerstars, die während des "Wagner-Wahns" zu Gast sind: Startenor Klaus Florian Vogt singt Walther von Stolzing ("Die Meistersinger von Nürnberg"), Georg Zeppenfeld ist neben König Heinrich noch als Landgraf Hermann zu hören. Petra Maria Schnitzer übernimmt die Partie der Elisabeth und der Venus, Ricarda Merbeth singt die Senta, der dänische Bariton Bo Skovhus kehrt als Beckmesser und Kurwenal nach Hamburg zurück.

Linda Watson übernimmt die Brünnhilde in allen "Ring"-Teilen, Christian Franz steht als Loge, Siegmund und Siegfried in allen vier "Ring"-Teilen auf der Bühne, Michelle de Young singt die Sieglinde.

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