Der Funke sprang nicht über: Echo-Jazz-Verleihung ohne Glamour

Der Vibraphonist Wolfgang Schlüter (79) erhielt die Auszeichnung Instrumentalist des Jahres national/ Besondere Instrumente.
Der Vibraphonist Wolfgang Schlüter (79) erhielt die Auszeichnung Instrumentalist des Jahres national/ Besondere Instrumente.

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25. Mai 2013, 03:59 Uhr

HAMBURG | Peinliches Gekicher, Gestammel. Mehr bringt die Popband Laing nicht heraus, als sie bei der Echo-Jazz-Verleihung in der Hamburger Fischauktionshalle eine Laudatio auf den Trompeter Nils Wülker halten soll. Kein Wunder, dass der Geehrte etwas ratlos in die Kamera guckt, bevor er auf die Bühne kommt, um sich seinen Preis in der Kategorie Instrumentalist des Jahres national Blechblasinstrumente/Brass abzuholen.

Doch das ist bei Weitem nicht der einzige Moment, in dem man sich an diesem Abend fremdschämt. Auch das Moderatorenteam, der Jazztrompeter Till Brönner und die Schauspielerin Janin Reinhardt, wirkt meistens nicht besonders souverän. Die hölzernen Ansagen klingen wie auswendig gelernt, die Witze verpuffen von Anfang an. Es lacht keiner, als Reinhardt eingangs behauptet, Brönner habe ihr erzählt, im Publikum würden bloß "Trucker mit speckigen Westen" sitzen. Ihr Versuch, die Zuschauer mit einem "Flippen Sie nicht gleich bei jeder Kleinigkeit aus" aus der Reserve zu locken, scheitert genauso. So bleibt die Stimmung während der Gala über weite Strecken verhalten-kühl. Noch frostiger ist sie allerdings im unbeheizten Pressezelt, wo die Journalisten die Veranstaltung am Fernseher mitverfolgen können. Wenn die Preisträger zu den Medienvertretern stoßen, übertönt das Geplärre der Fotografen fast alles. Nach ihnen stürzen sich die Interviewer auf die Ausgezeichneten, das macht es extrem schwer, sich auf die eigentliche Show zu konzentrieren. Einziger Trost: Man verpasst ja nichts.

Selbst bei den Live-Auftritten springt in den seltensten Fällen der Funke über. Als sich Florian Weber - er ist Instrumentalist des Jahres national Piano/Keyboards - für das Lied "Hochkultur unter der Gürtellinie" mit Herrn Sorge alias Samy Deluxe zusammentut, reißt das keinen vom Stuhl. Dafür kommt Jamie Cullum mit seinem Song "When I get famous" umso frischer rüber. Im Stehen bearbeitet er sein Klavier. Schade, dass er nicht gleich ein ganzes Konzert gegeben hat. Das wäre sicherlich unterhaltsamer gewesen als diese müde vor sich hin plätschernde Veranstaltung. Ausländische Künstler wie Avishai Cohen, Instrumentalist des Jahres international Bass/Bassgitarre, haben gewiss gut daran getan, nicht eigens für sie anzureisen.

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