"Hänsel und Gretel" : "Das Stück ist endlich raus"

Herausragende Akteure stellte Jörg Fallheier (rechts) bei der kleinen Premierenfeier in den Mittelpunkt, neben Solisten auch die Dirigenten Rudolf Piehlmayer (Mitte) und David Neely (3. von links).
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Herausragende Akteure stellte Jörg Fallheier (rechts) bei der kleinen Premierenfeier in den Mittelpunkt, neben Solisten auch die Dirigenten Rudolf Piehlmayer (Mitte) und David Neely (3. von links).

Opernmacher waren am Sonntagabend fest entschlossen, die Premiere von "Hänsel und Gretel" durchzuziehen.

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26. Juli 2011, 12:27 Uhr

eutin | Die Zuschauer waren gewappnet. Die "verkrochen" sich unter Regencapes und teilweise auch breiten Hutkrempen. Aber die Sänger waren dem Nieselregen ausgeliefert am Sonntagabend bei der Premiere der Operninszenierung "Hänsel und Gretel".

Keiner, ob Solist oder Sängerin des Kinderchores, ließ es sich anmerken, als der Regen nach der Pause beständig dichter wurde. Hänsel-Darstellerin Annelize Sussmann kickte sogar ihre Schuhe von den Füßen und agierte barfuß auf der regennassen Bühne. "Es war so rutschig in den Schuhen", erklärte die sympathische, agile Sängerin.

Hatte sie denn keine Angst vor einer Erkältung? Ja,schon, antwortet die Mezzosopranistin, und sie habe die Kälte auch gespürt. "Aber wir hatten uns vorgenommen, die Aufführung unter allen Umständen durchzuziehen. Und ich hatte auch Adrenalin in der Blutbahn."

"Das Stück ist endlich raus, wie wir Theaterleute sage, es ist endlich aufgeführt worden", sagte der Künstlerische Leiter der Eutiner, Festspiele, Jörg Fallheier, gut eine Stunde nach dem Schlussapplaus in der Kantine. Eine große Premierenfeier wurde es nicht. Die war für Freitag angesetzt, dann aber die Premiere - wie berichtet - wegen des Regens abgesagt worden. Aber ein paar Ansprachen und Dankesworte und ein warmes Bufett für die Künstler und einen kleinen Kreis von Gästen gab es doch.

Sonntagabend war das Wetter kurz vor Beginn der Aufführung nur um Nuancen besser als am Freitagabend. Die Festspielleitung entschied sich trotzdem, die Premiere durchzuziehen. 300 Karten seien verkauft gewesen, sagt Hans-Wilhelm Hagen, der "Kassenwart" der neuen Festspielgesellschaft. Die Tatsache, dass nur rund 200 Menschen die Vorstellung verfolgten, lässt den Schluss zu, dass viele Kartenbesitzer schlicht keine Lust hatten, diesen Abend auf der Tribüne zu sitzen.

Die erste Hälfte der Aufführung und auch die Pause hindurch gab es zwar feinsten, manchmal kaum wahrnehmbaren Nieselregen, doch im zweiten Teil wurde der Niederschlag dichter und wurden die Tropfen größer. Mancher Besucher hatte sich in der Pause mit heißem Tee gestärkt, den Geschäftsführer Marcus Gutzeit und die Chefin der Ordnerdienstes, Christiane Tesnau, ausschenkten.

Die Stände mit Regencapes waren aber nicht besonders frequentiert: Die Besucher, die gekommen waren, hatten sich offensichtlich ausreichend auf jede Wetterlage vorbereitet. "Man muss dem Publikum wirklich einmal Lob zollen, wie die alle durchgehalten haben", merkte Klaus Hoth, der Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Eutin, kurz nach dem Schlussapplaus an.

Und der war durchaus ergiebig: Das Publikum wollte spürbar die Künstler belohnen: für ihren Einsatz unter widrigen Bedingungen, aber auch für ihre Leistungen. Denn Solisten, Chor und Orchester lieferten ohne Abstriche eine professionelle Inszenierung. Und eine bessere als bei der Generalprobe in Hinsicht auf Abstimmung zwischen Gesang und Orchester.

Erleichterung, wie sie nach einer gelungenen Premiere zu spüren ist, mischte sich in der Opernkantine mit der Feuchtigkeit, die aus den Kleidern stieg, die Brillen und Fotolinsen beschlagen ließ. Die Erleichterung teilten die Künstler mit Akteuren hinter den Kulissen, darunter Martin Vollertsen, Vorsitzender des deutsch-amerikanischen Freundschaftsvereines. Ihn schloss Bürgervorsteher Ernst-Joachim Meseck ausdrücklich in seine Dankesrede ein.

Bei Hans-Wilhelm Hagen ist es nicht unbedingt Erleichterung, die ihn nach einer so dünn besuchten Vorstellung ergreift. Aber Grund zur Panik habe er auch nach der ausgefallenen Vorstellung am Freitag nicht: "Wir haben so vorsichtig kalkuliert, dass ich noch ganz gelassen bin."

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