Jan Böhmermann und Babylon Berlin : Das sind die Nominierten für den Deutschen Fernsehpreis 2017

Szene aus der Serie «Babylon Berlin» mit Volker Bruch und Liv Lisa Fries.
Szene aus der Serie „Babylon Berlin“ mit Volker Bruch und Liv Lisa Fries.

Die deutsche Fernsehbranche ist in Feierlaune: In Köln wird eine der wichtigsten Auszeichnung des Geschäfts verliehen.

shz.de von
24. Januar 2018, 11:08 Uhr

Köln | Wenn Thomas Gottschalk (67) am Freitag die Bühne des Deutschen Fernsehpreises betritt, wird nicht wenigen Gästen im Kölner Palladium ein Satz im Kopf herumschwirren: „Ich nehme diesen Preis nicht an!“ Er stammt von Marcel Reich-Ranicki (1920-2013), der im Jahr 2008 die Ehrung für sein Lebenswerk ablehnte. Da Gottschalk damals Moderator der Gala war, fiel ihm die Aufgabe zu, den erbosten Literaturkritiker auf offener Bühne wieder einzufangen, was ihm mustergültig gelang. Es wurde ein Stück Fernsehgeschichte.

Warum man an den Satz denken wird? Am Freitag bekommt Gottschalk selbst den Fernsehpreis für sein Lebenswerk. Die TV-Branche rollt in Köln den roten Teppich aus und sucht die besten Filme, Serien, Shows Moderatoren, TV-Journalisten, Autoren und viele mehr. Da der Ehrenpreis vorab bekannt gemacht wird, ist Gottschalk bislang der einzige Gast, der weiß, dass er auf jeden Fall abräumen wird. „Gut, dass Marcel Reich Ranicki den damals nicht mitgenommen hat. Jetzt krieg ich ihn!“, twitterte er bereits schelmisch.

 

Gerade der Vergleich mit 2008 beleuchtet die wechselhafte Geschichte, die der Preis in den vergangenen Jahren durchlebt hat. Dass es diesmal einen großen Fernsehmoment geben wird, ist nämlich unmöglich. Die Gala, die von Barbara Schöneberger (43) moderiert wird, wird abermals nicht im Fernsehen übertragen. Bereits 2016 war das so. 2017 wurde ein Zusammenschnitt gezeigt. 2015 gab es gar keine Verleihung. Immer wieder war Kritik wegen schlechter Quoten, oft wechselnder Kategorien und der Machart der Show aufgekommen.

In diesem Jahr ist nach Düsseldorf nun wieder Köln Gastgeber der Gala. Die Frage, was vom neuen Jahrgang hängenbleiben wird, führt zuerst zu Serien und Mehrteilern. Deutschland hat in dem von US-Ware dominierten Bereich aufgeholt. „In der Geschichte des Fernsehpreises kann 2017 ohne Übertreibung als Jahr der starken Serien gelten“, erklärte bereits der Jury-Vorsitzende Lutz Carstens.

Spitzenreiter ist die von der ARD gemeinsam mit dem Abo-Anbieter Sky produzierte historische Krimiserie „Babylon Berlin“, die in acht Kategorien ins Rennen geht.

Sie tritt in „Beste Drama-Serie“ unter anderem gegen das Krankenhaus-Epos „Charité“ (ARD) und die Serie „4 Blocks“ (TNT Serie) an, die sich um eine arabische Großfamilie in Berlin dreht und sechs Nominierungen verbuchen konnte. Ebenfalls mehrfach bedacht wurden „Das Verschwinden“ (ARD) - unter anderem in „Beste Drama-Serie“ - mit fünf und „Der gleiche Himmel“ (ZDF) mit vier Nennungen.

Außerhalb der fiktionalen Kategorien treten etwa die Journalistinnen Dunja Hayali (43), Caren Miosga (48) und Marietta Slomka (48) in „Beste Moderation/Einzelleistung Information“ gegeneinander an. In der Kategorie „Beste Unterhaltung Late Night“ misst sich Comedian Luke Mockridge (28) mit Satiriker und TV-Moderator Jan Böhmermann.

Für den Gesprächsstoff vor der Gala sorgten allerdings in der Öffentlichkeit meist weniger bekannte Namen - die Drehbuchschreiber. Sie hatten sich durch den Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) irritiert gezeigt, dass sie in einigen Kategorien nur als „Gäste“ und nicht als „Nominierte“ zu der Gala eingeladen wurden, obwohl sie an den nominierten Filmen und Serien maßgeblich mitgearbeitet hatten. Die Diskussion eskalierte bis hin zu Boykottaufrufen. „Wir sind nicht bloß Gäste. Wir denken uns das aus, was an diesem Abend gewürdigt wird“, hieß es in einem offenen Brief des VDD.

Die Stifter des Fernsehpreises gingen daraufhin auf die Autoren zu. In den Kategorien „Bester Fernsehfilm“ und „Bester Mehrteiler“, in denen bislang nur Produzenten, Regisseure und Redakteure stellvertretend für das Team nominiert wurden, werde man die Regeln anpassen - und auch die Autoren mitnominieren. Auch in allen anderen fiktionalen Kategorien sollen sie nun dabei sein. Die Drehbuchautoren begrüßten die Entscheidung sehr. Die Diskussion über die Wertschätzung der Drehbuchschreiber soll allerdings weitergehen.

Die Nominierten für den Deutschen Fernsehpreis 2018: 

Bester Fernsehfilm

Eine unerhörte Frau (ZDF)

Katharina Luther (ARD)

Zuckersand (ARD)

Bester Mehrteiler

Brüder (ARD)

Der gleiche Himmel (ZDF)

Tod im Internat (ZDF)

Beste Drama-Serie

Babylon Berlin (Sky/ARD)

Charité (ARD)

Hindafing (BR)

Das Verschwinden (ARD)

4 Blocks (TNT Serie)

Beste Comedy-Serie

Blaumacher (ZDFneo)

jerks. (ProSieben/maxdome)

Magda macht das schon! (RTL)

Beste Schauspielerin

Liv Lisa Fries (Babylon Berlin)

Julia Jentsch (Das Verschwinden)

Anna Schudt (Ein Schnupfen hätte auch gereicht)

Nadja Uhl (Tod im Internat)

Felicitas Woll (Nackt. Das Netz vergisst nie., Das Nebelhaus)

Bester Schauspieler

Maximilian Brückner (Hindafing, Zwischen Himmel und Hölle)

Edin Hasanovic (Brüder)

Peter Kurth (Babylon Berlin)

Kida Khodr Ramadan (4 Blocks)

Tom Schilling (Der gleiche Himmel)

Beste Regie

Marvin Kren (4 Blocks)

Hans-Christian Schmid (Das Verschwinden)

Tom Tykwer, Hendrik Handloegten, Achim von Borries (Babylon Berlin)

Bestes Buch

Hanno Hackfort, Richard Kropf, Bob Konrad, Benjamin Hessler, Marvin Kren (4 Blocks)

Anne-Marie Keßel (Nackt. Das Netz vergisst nie.)

Hans-Christian Schmid, Bernd Lange (Das Verschwinden)

Beste Kamera

Eeva Fleig (Blaumacher)

Frank Griebe, Bernd Fischer, Philipp Haberlandt (Babylon Berlin)

Judith Kaufmann (Der gleiche Himmel, Tatort: Amour fou)

Bester Schnitt

Jan Hille, Lars Jordan (4 Blocks)

Darius Simaifar (Alarm für Cobra 11)

Antje Zynga, Alexander Berner, Claus Wehlisch (Babylon Berlin)

Beste Musik

Johnny Klimek, Tom Tykwer (Babylon Berlin)

The Notwist (Das Verschwinden)

Stefan Will, Marco Dreckkötter (4 Blocks)

Beste Ausstattung

Pierre-Yves Gayraud, Uli Hanisch (Babylon Berlin)

Bernd Lepel (Charité, Der gleiche Himmel)

Esther Walz (Katharina Luther)

Beste Unterhaltung Primetime

Ninja Warrior Germany (RTL)

Sing meinen Song - Das Tauschkonzert (Vox)

The Voice of Germany (ProSieben/Sat.1)

Beste Moderation Unterhaltung

Michael Kessler (Kessler ist... Wolfgang Bosbach)

Luke Mockridge (Mehrere Formate, u.a. LUKE! - Die Schule und ich)

Sonja Zietlow, Daniel Hartwich (Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!)

Beste Unterhaltung Late Night

LUKE! Die Woche und ich (Sat.1)

Neo Magazin Royale (ZDF/ZDFneo)

Die Pierre M. Krause Show (SWR)

Beste Comedy

extra 3 (ARD/NDR)

heute-show (ZDF)

Kroymann (ARD)

Bestes Factual Entertainment

Dein Song (KiKa)

Feuer & Flamme - Mit Feuerwehrmännern im Einsatz (WDR)

Kitchen Impossible (Vox)

Beste gestalterische Leistung Non-Fiktion

Mark Achterberg (Let's Dance, Germany's next Topmodel - Das Finale)

Micky Beisenherz, Jens Oliver Haas, Jörg Uebber (Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!)

Ralf Kamin, Christian Bender (The Taste)

Beste Information

Endlich Klartext! - Der große RTL-II-Politiker-Check (RTL II)

Fahrbereitschaft (rbb)

Volksvertreter (ZDFneo)

Beste Moderation Information

Dunja Hayali (ZDF-Morgenmagazin, dunja hayali)

Caren Miosga (Tagesthemen)

Marietta Slomka (heute-journal)

Bestes Infotainment

Panorama - die Show: Früher war alles besser (NDR)

Terra X: Der große Anfang - 500 Jahre Reformation (ZDF)

Uncovered (ProSieben)

Beste Dokumentation/Reportage

Drei Tage im September. Angela Merkels einsame Entscheidung (MDR/Arte)

Nervöse Republik - Ein Jahr Deutschland (ARD)

RTL extra: Fake News (RTL)

Die Story im Ersten: Das Darknet - Eine Reise in die digitale Unterwelt (ARD)

ZDFzoom: Gefährliche Verbindungen - Trump und seine Geschäftspartner (ZDF)

Beste Sportsendung

Sascha Bandermann, Rick Goldmann, Basti Schwele (Eishockey WM, Sport1)

Florian König, Niki Lauda (Formel 1, RTL)

Boris Becker, Matthias Stach (US Open, Eurosport)

 
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