„Das Wunder von Bern“ und Co. : Das Hamburger Musical-Wunder

Neu in Hamburg: „Das Wunder von Bern“ im Stage Theater an der Elbe.
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Neu in Hamburg: „Das Wunder von Bern“ im Stage Theater an der Elbe.

Die Hansestadt will auch in Zukunft von dem wachsenden Markt in der Branche profitieren.

shz.de von
02. Januar 2015, 09:57 Uhr

Vor genau einem Monat feierte „Das Wunder von Bern“ Premiere. Die Resonanz und Kritiken waren überwältigend. Aber einige Wochen später waren schon beträchtliche Lücken im 1800 Personen fassenden Saal des Musical-Neubaus Theater an der Elbe erkennbar. Man sei faktisch ausverkauft, beschwichtigt Holger Kersting, der die Öffentlichkeitsarbeit des Musicals für das Unternehmen Stage Entertainment betreut. Zwar wären die Platzkapazitäten der Vorstellungen momentan nur zu 90 Prozent ausgelastet, Grund hierfür seien allerdings „technische Prozesse“, so Kersting.

So habe man, wie nun beim Neubau im Hafen, zwar ein bestimmtes Sitzplatzkontingent zur Verfügung, könne dieses aber nicht komplett in den Verkauf geben. Die Anzahl der Sitzplätze müsse an den Produktionsprozess, wie beispielsweise das Bühnenbild, angepasst werden. Das Nachbar-Musical „König der Löwen“, ebenfalls von Stage im Hafen betrieben, sei seit 13 Jahren ausverkauft.

Hamburg hat sich, nicht zuletzt durch Stage Entertainment, zu einer internationalen Musical-Metropole gemausert, gleich hinter London und New York. Stage betreibt neben den beiden Elb-Musicals noch das Operettenhaus, wo „Rocky“ läuft und die Neue Flora, wo der Broadway-Erfolg „Aladin“ im Herbst 2015 den Dauerbrenner „Das Phantom der Oper“ ablösen wird. Hinzu kommt noch als fünftes Haus das „Mehr!“-Theater am Großmarkt, das am 7. März 2015 eröffnen wird und die Stücke „We Will Rock You“ und „Dirty Dancing“ zeigt.

Viele Angebote bedeuten aber auch viel Konkurrenz. Stage-Unternehmenssprecher Stephan Jaekel sieht den Markt trotzdem nicht übersättigt: „Wir sind der festen Überzeugung, dass weiteres organisches Wachstum möglich ist, solange es uns gelingt, attraktive Stücke zu zeigen.“ Deutschlandweit hat Stage im Geschäftsjahr 2012/2013 303 Mio. Euro Umsatz erzielt und knapp 3,8 Millionen Besucher begrüßt. Für das Geschäftsjahr 2013/14 erwarte man ein Wachstum von knapp zehn Prozent, sagt Jaekel. So konnte der „König der Löwen“ im Oktober 2014 seinen 10-millionsten Besucher seit 2001 registrieren. Damit habe der Löwenkönig die Erfolge von „Cats“ (sieben Mio. Besucher) und „Phantom der Oper“ (acht Mio. Besucher) deutlich hinter sich gelassen. Für das neue Stage Theater an der Elbe hat das Unternehmen insgesamt 50 Millionen Euro ausgegeben; weitere 15 Millionen kostete die Entwicklung des neuen Musicals „Das Wunder von Bern“.

Auch die Stadt würde profitieren, sagt Sascha Albertsen, Sprecher der Hamburg Tourismus GmbH (HHT). So begrüße Hamburg rund zwei Millionen Musical-Gäste jährlich, die 600 Millionen Euro Umsatz außerhalb der Eintrittspreise einbringen würden. Neben den genannten Häusern, zählen auch die Theater auf dem Kiez, Schmidt’s, Schmidt Tivoli und das St. Pauli Theater mit einigen Musicalproduktionen hierzu. Außerdem beschäftigt Stage 1000 Mitarbeiter. Selbst Norbert Hackbusch, kulturpolitischer Sprecher der Hamburger Linksfraktion, lobt: „Ich freue mich, dass es die Musicals gibt, sie schaffen Arbeitsplätze für Leute mit verschiedenen kulturellen Fähigkeiten.“

Nun wird über den kulturellen Nutzwert von Musicals immer gern diskutiert: „Theater hat einen aufklärerischen Ansatz, will bewegen, nicht gefallen, Musicals wollen unterhalten“, sagt Enno Isermann, Sprecher der Hamburger Kulturbehörde. Er sieht die Musical-Häuser aber als sinnvolle Ergänzung der städtischen Kultur-Angebote rund um den Hafen. Weiterer positiver Aspekt in der klammen Hansestadt: Stage erhält keinerlei Subventionen von der Stadt.
 

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