Eutiner Festspiele : Das deutsche Publikum klatscht oft

Das Solisten-Ensemble aus„Hänsel und Gretel“ hat Eutin schon gut erkundet: (von links): Kristian Noel Bucy (Gertrud), Holly White (Hexe), Annelize Sussman (Hänsel), Scott Wichael (Hexe), Etta Fung (Gretel), Ashley Benes (Sandmann und Taumännchen) und Robert McNichols (Peter). Foto: kerstin ahrens
Das Solisten-Ensemble aus„Hänsel und Gretel“ hat Eutin schon gut erkundet: (von links): Kristian Noel Bucy (Gertrud), Holly White (Hexe), Annelize Sussman (Hänsel), Scott Wichael (Hexe), Etta Fung (Gretel), Ashley Benes (Sandmann und Taumännchen) und Robert McNichols (Peter). Foto: kerstin ahrens

Die Sänger aus Lawrence fühlen sich bei den "Hänsel und Gretel"-Aufführungen der Festspiele und generell in Eutin "sehr wohl".

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30. Juli 2011, 11:28 Uhr

Eutin | Die Oper "Hänsel und Gretel" ist ein Geschenk der Kansas University (KU) zum Erhalt der Eutiner Festspiele. Seit knapp einem Monat arbeiten und leben die Orchestermusiker sowie die sieben Gesangsolisten aus Lawrence jetzt in der ostholsteinischen Kreisstadt. Von ihren Eindrücken hier berichteten die munteren Künstler aus den USA gestern in einer deutsch-englischen Konversation dem OHA.

"Es ist zwar die gleiche Musik, zu der wir singen, aber sonst ist alles anders. Vor allem die Bühne, sie ist hier so riesig", sagt Scott Wichaels, der ebenso wie Holly White die Partie der Knusperhexe darstellt, über die Eutiner Produktion von "Hänsel und Gretel". Durch die größere Fläche könnten sie ihre Rollen durch Hin- und Herlaufen wesentlich aktiver gestalten. In die amerikanische Produktion, die Ende April in Lawrence Premiere hatte und in mehreren Städten aufgeführt wurde, brachten die Darsteller eigene Ideen in die Rollen mit ein. "Hier in Eutin ist die Regie genau angelegt, jede Bewegung und jede Mimik. Und das Bühnenbild ist viel farbiger", betont Gretel-Darstellerin Etta Fung.

"Open air macht den großen Unterschied. Wir spielen hier draußen, zwischen Bäumen. Das macht die Produktion zu etwas ganz Besonderem. Das ist magisch", ist Holly White begeistert. Ashley Benes ist fasziniert, dass sie in ihrer Doppelrolle als Sandmännchen und Taumännchen unter anderem vom Sonnenaufgang singe, obwohl es reale Nacht sei.

"Die Besucher kennen das Stück und klatschen viel häufiger. Und besonders beim Schlussapplaus werden wir für unsere Leistungen belohnt", sind die Sänger vom deutschen Publikum angetan. Dieses Lob tue ihnen gut. In Amerika halte sich der Beifall in Grenzen, dort sei er eher arrogant, von oben herab, empfindet Holly White.

Aber nicht nur der grüne Hügel im Schlossgarten, sondern ganz Eutin gefällt dem Ensemble. "Wir fühlen uns hier sehr wohl. Wir sind wie eine kleine Familie", sagt Kristian Noel Bucy, die in der Rolle der Mutter zu sehen ist.

Besonders den Marktplatz mögen die Künstler. "Er ist das Herz von Eutin." Als positiv empfinden sie, dass in den Geschäften für die Festspiele geworben werde und jeder so freundlich sei. "Hier sind die Menschen entspannt und nehmen sich die Zeit zu genießen", hat Holly White festgestellt. Sie sitze sonst Stunden vor Fernseher oder Computer, nun genieße sie den Park und die Natur. Ähnlich geht es der 25-jährigen Ashley Benes: "Ich habe schon vier Bücher gelesen."

Welche Wünsche haben die Künstler für ihre Zukunft? "Ich möchte in Europa leben und singen. Wenn es geht, am liebsten schon morgen", ist die spontane Antwort von "Hänsel"-Darstellerin Annelize Sussman. Vorerst steht für das mit 23 Jahren jüngste Ensemble-Mitglied aber noch der Master-Abschluss in Operngesang auf dem Plan, den alle anderen schon aufweisen können. "Das Größte wäre, vom Singen leben zu können", sagt Ashley Benes. Bisher haben bis auf Holly White alle zwischen einem und drei Nebenjobs als Gesangslehrer, Verkäuferin oder im Büro, um sich ihren Traum zu erfüllen.

Die 34-jährige White hat genug zu tun. Sie hat sich für ein Leben als Kindermädchen und Opernsängerin entschieden: "Immer nur auf der Bühne zu stehen, das ist anstrengend. Mir gefällt die Mischung gut." Ihr Traum sei, Gesang zu lehren. Die Wünsche des 38-jährigen Wichaels sind bescheiden: "Mir ist es wichtig, nach den Auftritten schnell wieder bei meiner Frau und Tochter zu sein. Ich brauche die Balance zwischen meiner Arbeit und meiner Familie."

Die amerikanischen Sänger sind noch heute und morgen sowie am kommenden Sonnabend, 6. August, in der lebendigen Inszenierung "Hänsel und Gretel" zu sehen. Bevor sie am 11. August wieder gen Heimat fliegen, steht Etta Fung einen Abend vorher neben Tenor Andrés Felipe Orozco in der "Classic Night" auf der großen Open-Air-Bühne von Eutin. Das Resümee über ihren Deutschland-Aufenthalt steht für alle schon fest: "Wir lieben Eutin."

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