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Bekannte Zeitungsenten : Chruschtschows Tod und die Steinlaus

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„Chruschtschow tot“. Diese knappe Meldung der Deutschen Presse Agentur sorgte vor 50 Jahren weltweit für Aufregung. Sie ist nur eine von berühmten Falschmeldungen, die ihren Weg in Zeitungen, Fachbücher und Fernsehen fanden. shz.de hat die bekanntesten Fälle gesammelt.

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erstellt am 14.Apr.2014 | 10:14 Uhr

„Moskau, 13. April 64 dpa - Der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow ist am Montag 20.19 MEZ, vier Tage vor seinem 70. Geburtstag, an den Folgen einer akuten Hephocapalytirosises plötzlich gestorben (nach Tass).“ Am 13. April 1964 um 21.53 Uhr schickt die dpa diese Eilmeldung heraus. 15 Minuten danach die nächste Eilmeldung: „Das ist eine Ente“. Zu spät: In den USA und Frankreich war die Nachricht verbreitet worden und sorgte für Aufregung. Die Verantwortlichen für die Falschmeldung sind bis heute unbekannt.

Der angebliche Tod Chruschtschows ist ein älteres Beispiel für Falschmeldungen - aber längst nicht die einzige.

Eine der bekanntesten deutschen „Enten“ ist ein Nagetier: die Steinlaus von Loriot. Das erfundene Tier wurde in den 1980 er Jahren in das medizinische Wörterbuch „Pschyrembel“ aufgenommen. In der Ausgabe zum 100-jährigen Bestehen des Buches fehlte der Eintrag. Die Nutzer protestierten gegen den Rauswurf. Seitdem ist der kleine Nager wieder in dem Werk zu finden.

 

1983 sorgte der „Stern“ mit der Schlagzeile „Hitlers Tagebücher entdeckt“ für Aufsehen. Der Journalist Gerd Heidemann und der Ressortleiter für Zeitgeschichte Dr. Thomas Walde wandten sich direkt an die Verlagsleitung, die das Projekt mit 9,34 Millionen D-Mark finanzierte. Knapp zwei Wochen nach Präsentation der Tagebücher war klar: Es handelte sich um Fälschungen. Das Bundesarchiv und das Bundeskriminalamt hatten Zeitzeugen befragt und das Papier chemisch analysiert. Der „Stern“ war auf den Fälscher Konrad Kujau hereingefallen. Der Fall war die Vorlage für den Film „Schtonk“ mit Götz George als Skandalreporter und Uwe Ochsenknecht als Fälscher.

Als Fälschungen entpuppten sich auch die Magazinbeiträge von Fernseh-Produzent Michael Born. Mehr als 30 seiner Beiträge liefen in den 1990er Jahren im deutschen Fernsehen. Born erfand zum Beispiel eine deutsche Zelle des Ku-Klux-Clans. Die Kapuzen hatte Born anfertigen lassen, unter den Kutten steckten Bekannte des Produzenten. Der Beitrag lief bei „stern tv“. Seine Betrügereien brachten den Fernseh-Journalisten zwei Jahre ins Gefängnis.

Einblicke in die Welt der Reichen und Schönen gewährte der Journalist Tom Kummer. Seine Interviews mit Stars wie Brad Pitt, Pamela Anderson oder Sharon Stone wurden bis 1999 in der Süddeutschen Zeitung und dem „SZ Magazin“ gedruckt. Das Nachrichtenmagazin Focus deckte auf: Die Interviews waren gefälscht.

Kurioser Zuwachs für den Bundestag? Der „Nordbayrische Kurier“ meldete im letzten Jahr die Kandidatur vom mutmaßlichen Justizopfer Gustl Mollath für den Bundestag. Laut Tageszeitung wolle er für den Wahlkreis Fürstenfeldbruck antreten. Mollath dementierte mit den Worten: "Frau Merkel muss keine Angst vor mir haben."

Nicht nur in Deutschland, auch international fliegen Zeitungsenten durch die Presselandschaft. Die „Washington Post“ gab 1982 den Pulitzer-Preis für die Reportage „Jimmys World“ zurück. Janet Cooke’s Artikel über den achtjährigen, heroinabhängigen „Jimmy“ stellte sich als frei erfunden heraus. Leser hatten sich an die Zeitung gewandt und wollten dem Jungen helfen. Die Journalistin berief sich zunächst auf den Informantenschutz, musste aber schließlich zugeben, sich die Geschichte ausgedacht zu haben.

Die bekannten Fernsehbilder des Öl verschmierten Kormorans während des Golfkrieges gingen 1991 um die Welt. Wie sich später herausstellte, gab es zum Zeitpunkt des Filmens aber keine Kormorane im Golf. Die Bilder waren nach der Havarie des Tankers „Exxon Valdez“ 1989 in Alaska entstanden.

Eine digitale Zeitungsente tummelte sich Anfang des Jahres in der deutschen Medienlandschaft. Die Satire-Website „Der Postillon“ meldete als „Exklusiv-Meldung“ den Wechsel von CDU-Politiker Ronald Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn. Somit entstand der Eindruck, der „Postillon“ habe als erstes berichtet. Die Netzgemeinde war verunsichert: War die Meldung vom Satire-Magazin ausgedacht und alle anderen waren darauf hereingefallen oder stimmte die Nachricht tatsächlich? Des Rätsels Lösung: Die Meldung entsprach der Wahrheit. „Der Postillon“ hatte sie einen Tag zurück datiert. Die Saarbrücker Zeitung meldete den Wechsel als erste.

Und warum ist die Zeitungsente eine Ente?

Zeitungsenten sind irrtümlich oder absichtlich verbreitete Falschmeldungen. Die Herkunft des Begriffs „Zeitungsente“ ist umstritten. Lange Zeit nahm man das Kürzel „n.t.“, ausgesprochen „EnTe“, als Ursprung an. Es steht für das lateinische „non testatum“. Damit wurden seit dem 17. Jahrhundert Meldungen mit unbestätigter Quelle gekennzeichnet. Wahrscheinlich ist jedoch der Begriff „Zeitungsente“ aus Frankreich nach Deutschland gekommen. Donner des canards (Enten geben) wird im Nachbarland mit Lügen gleichgesetzt.

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