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Schleswig : Caspar David Friedrich und Rembrandt in der Ausstellung „Beste Freunde – Kunstwerke für Schloss Gottorf“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine neue Ausstellung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte zeigt die Sammlung des Freundeskreises Schloss Gottorf

Schleswig | Wer tatsächlich glaubt, dass beim Geld die Freundschaft aufhört, der sollte in diesen Tagen nach Schleswig fahren. Dort, im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, ist das Geld wesentlicher Teil einer außergewöhnlichen Freundschaft, ohne die Unterstützung des Gottorfer Freundeskreises wäre nicht nur die Sammlung auf der Schlossinsel um einiges ärmer. Auch die öffentliche Wahrnehmung des Museums wäre sicherlich eine andere, denn was mit den finanziellen Hilfen des Freundeskreises beginnt, setzt sich fort über den persönlichen Einsatz für die gute Museumssache und eine – nicht unwesentliche – Lobbyarbeit für das Schloss.

„Beste Freunde braucht man nicht nur im Privaten, sondern auch als Kulturinstitution“, sagte Direktorin Kirsten Baumann am Donnerstag, als sie die Ausstellung mit 200 Kunstwerken präsentierte, die unter dem Titel „Beste Freunde – Kunstwerke für Schloss Gottorf“ auch ein Dank in Richtung der Unterstützer des Museums sein soll.

Aber nicht nur das, mit der Ausstellung soll auch öffentlich dokumentiert werden, welchen Einfluss der Verein um die Vorsitzende Gabriele Wachholtz auf die Arbeit des Museums hat. „Diese Leistungsbilanz ist auch deshalb wichtig, weil wir neue Mitglieder werben wollen“, sagte Wachholtz gestern.

Rund 3500 Mitglieder hat der Freundeskreis Schloss Gottorf mittlerweile, und damit stehen dem Verein jährlich 140.000 Euro an Beiträgen zur Verfügung. Geld, das nicht nur für Neuanschaffungen eingesetzt wird, sondern auch für die Gestaltung von Ausstellungen, die wissenschaftliche Arbeit und die digitale Erfassung der Sammlungsbestände. „Es ist nicht sexy, wenn man aufräumt. Aber es ist notwendig“, sagte Wachholtz.

Notwendig war in diesem Zusammenhang auch die digitale Erfassung der Dauerleihgaben des Freundeskreises, die unlängst abgeschlossen wurde; immerhin 1000 Objekte – von Druckgrafiken über Gemälde, Plastiken und kunsthandwerkliche Exponate – sind seit der Gründung des Vereins im Jahr 1949 zusammengekommen. „Darunter sind viele schöne Werke, die lange nicht in Ausstellungen gezeigt wurden“, sagte Baumann.

Das ändert sich am Dienstag, wenn die Ausstellung in der Gottorfer Reithalle für das Publikum geöffnet wird. Dann können die Besucher unter anderem den prächtige Wandteppich „Urlandschaft“betrachten, der von Hildegard Osten nach einem Entwurf von Alfred Mahlau gewebt wurde. Ein Beleg für herausragendes Kunsthandwerk und mit den Maßen von rund zwei mal sechs Metern außerdem ein Exponat von ungewöhnlicher Größe.

Begrüßt werden die Besucher von HAP Grieshabers Entwürfen für die „Josefslegende“; 35 Blätter, die zusammen eine ungeheure Wirkung entfalten – und zugleich eine Frage aufwerfen, denn in der unteren Reihe fehlt ein Blatt. „Vielleicht hat Grieshaber es einem schönen Mädchen geschenkt“, sagte Thomas Gädeke, der die Ausstellung gemeinsam mit Christian Walda kuratiert hat.

Die beiden haben die Freundschafts-Gaben nach den verschiedenen Gattungen strukturiert: Alte und neue Malerei stehen sich dabei gegenüber, auf der Empore hängen zahlreiche Handzeichnungen und Druckgrafiken, unter anderem von Rembrandt, seinem schleswig-holsteinischen Schüler Jürgen Ovens und von Caspar David Friedrich. Unter der Empore bildet das Kunsthandwerk einen eigenen Bereich. Eine große Bandbreite, die so wohl selten zu sehen ist.

„Sammlung und Ausstellung sind genauso heterogen, wie es auch die Direktoren, die Moden, der Kunstmarkt und die finanzielle Situation des Landesmuseums in den vergangenen Jahrzehnten waren“, sagte Baumann.

Bemerkenswert ist auch der Katalog zur Ausstellung, der von Susanne Pertiet gestaltet wurde. In dem Band finden sich nicht nur die Abbildungen der Werke, sondern auch Texte von norddeutschen Schriftstellern, die sich auf die einzelnen Werke beziehen (und die wir derzeit in Auszügen in einer Zeitungs-Serie vorstellen). Eine Idee der Freundeskreis-Vorsitzenden. „Alle, die wir angesprochen haben, waren von der Idee begeistert“, sagte Gabriele Wachholtz. Das Ergebnis dieser Begeisterung ist ein eindrucksvolles Dokument der Freundeskreis-Arbeit der vergangenen 67 Jahre – die gestern noch mit einigen Zahlen unterlegt wurde: Allein seit 2011 sind Werke für 470 000 Euro angekauft und darüber hinaus noch zahlreiche andere Projekte finanziert worden: Dazu gehören die Jugendarbeit und die Gottorfer Hofmusik ebenso wie eine neue Beleuchtung für die Schlossfassade oder die Anschaffung von Stühlen. Letzteres klingt auch nicht gerade sexy, ist aber in Zeiten knapper öffentlicher Kassen ein notwendiger Freundschaftsdienst.


Beste Freunde: Reithalle, Schloss Gottorf, 16. Februar bis 5. Juni. Di. -Fr. 10 bis 16 Uhr, Sbd. und So. 10 bis 17 Uhr. Ab 21. März an allen Wochentagen eine Stunde länger. Der Katalog zur Ausstellung kostet 28 Euro, für Freundeskreis-Mitglieder 20 Euro. Wer dem Freundeskreis beitritt, erhält ein Gratisexemplar. www.freundeskreis-gottorf.de

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erstellt am 12.Feb.2016 | 07:25 Uhr

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