Bücher suchen neue Leser

'Bücher to go' - Der 'Bücherbaum' in Greifswald. Foto: dpa
"Bücher to go" - Der "Bücherbaum" in Greifswald. Foto: dpa

Das kostenlose "Auswildern" von Büchern an öffentlichen Plätzen findet immer mehr Anhänger

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19. November 2012, 03:59 Uhr

Greifswald/Berlin | Autos rauschen über die Europakreuzung in Greifswald. An der Bushaltestelle warten nicht nur Reisende auf den nächsten Stadtbus, sondern auch Bücher auf ihren nächsten Leser. Nur wenige Meter neben der Haltestelle wächst seit dem Sommer aus einem Betonsockel ein "Bücherbaum". In den durch Plexiglasscheiben geschützten Regalen des übermanngroßen Holzkunstwerkes haben Bücherfans die unterschiedlichsten Werke verstaut: eine abgewetzte Ausgabe mit Gedichten von Friedrich Schiller steht neben einem Fachbuch zur Verhaltensbiologie. Zwischen einem Tabaluga-Kinderbuch und dem Kochbuch "Meine Lieblingsrezepte" prangt ein Abenteuer-Wälzer.

Bücher nach dem Lesen nicht in Regalen verstauben zu lassen oder gar wegzuwerfen, sondern sie kostenlos an andere Leser weiterzugeben, ist die Idee, die hinter dem Bücherbaum-Projekt steckt. In anderen Städten heißen die kostenlosen Austauschstationen Bücherturm oder Bücherschrank. Das Projekt in Greifswald ist nach Angaben der Stadtwerke die erste kostenlose "Outdoor"-Austauschstation für Bücher in Mecklenburg-Vorpommern.

Sabine Wegner (52), Mitglied im Greifswalder Verein der "Bücherfreunde", brachte die Idee aus dem Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg mit in den Norden. "Ich kann keine gelesenen Bücher wegwerfen. Menschen kommen ins Gespräch, Bücher gehen nicht verloren", begründete sie ihr Engagement, die Idee auch im Nordosten zu verwurzeln. Sie begeisterte Stadtwerke und Sparkasse Vorpommern für das Projekt. Der Stralsunder Holzbildhauer Raik Vicent schuf den fantasievollen Baum.

Die Frührentnerin Helga Hering ist von dem Projekt begeistert. Jeden Tag, wenn sie mit ihrem Fahrrad an der Bücherstation vorbeifährt, nimmt sie sich Zeit, um in den Regalen zu stöbern. "Es macht Spaß zu sehen, was andere Leute weggeben", sagt sie. Dieses Mal entscheidet sich die 55-Jährige für ein Kochbuch. Der Psychologe Lukas Grün (32) hat selbst schon Bücher in den Baum gelegt. Das Motiv des Schenkens spielt für ihn eine große Rolle. "Andere Menschen freuen sich", sagt er.

Der Reiz des BookCrossing liegt im Weiterverfolgen der Bücher, sagt der Hannoveraner Frank Suchy, als Hauptprogrammierer einer der Köpfe hinter dem Book-Crossing. "In Flächenländern ist es schwieriger, Bücher auf die Reise zu schicken und eine Rückmeldung zu erhalten."

Die Idee des "Bücherbaums" ist von Greifswald inzwischen auch zu anderen Kommunen geschwappt. Die Fachhochschule Stralsund möchte einen Bücherbaum auf dem Campus stehen haben. Auch aus Loitz kam Interesse, wie Oliver Haarmann von den Greifswalder Stadtwerken berichtet.

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