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Frankfurter Buchmesse : Buchhandel äußert Existenzängste wegen Freihandelsabkommen

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Sorgenfalten bei Verlagen und Buchhändlern: Durch das geplante Freihandelsabkommen mit den USA fürchtet der Buchhandel um seine Existenz. Mit Nachdruck wird der Erhalt der Buchpreisbindung gefordert.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Die EU-Kommission dürfe die Buchpreisbindung bei den Verhandlungen keinesfalls opfern, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse am Dienstagabend. Werde dieses Schutzinstrument abgeschafft, siege „die anonyme, ganz und gar manipulierbare Macht des Geldes über den Geist. Das Ende der stationären Buchhandlungen wäre eingeläutet.“ 

Die weltgrößte Buchmesse mit 7300 Ausstellern aus 100 Ländern beginnt an diesem Mittwoch. Bis Sonntag werden rund 280.000 Besucher erwartet. Insgesamt gibt es rund 3000 Veranstaltungen. Etwa 1500 Autoren werden nach Angaben der Organisatoren zur Messe kommen.

Globale Konzerne wie Google, Apple und Amazon drängten auf eine Abschaffung der Buchpreisbindung, sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos bei der Eröffnungs-Pressekonferenz. „Das sind Kundenbindungsmaschinen und Logistikzauberer, aber keine Verleger. Da ist keine Leidenschaft dabei.“ In Frankreich gebe es ein Gesetz, das traditionelle Buchläden vor Internet-Händlern schützt, und Steuererleichterungen für den Laden um die Ecke. Dies zeige die Wertschätzung der Buchkultur im Nachbarland. „Hier können wir von Frankreich lernen.“ 

Ehrengast der diesjährigen Buchmesse ist Brasilien. Der 2500 Quadratmeter große Pavillon des Gastlandes präsentiert sich in großen Raumlandschaften. Mitgeschaffen hat ihn die namhafte brasilianische Designerin Daniela Thomas. Für die meterhohen Installationen der Wände, die Auszüge aus brasilianischen Büchern oder Comics wiedergeben, hat sie Tausende von feuerfesten Pappkartons benutzt - „eine Hommage an das Papier“, wie Thomas sagte.

Kritik des brasilianischen Bestseller-Autors Paulo Coelho am Buchmessen-Auftritt wiesen die Organisatoren zurück. Die 70 brasilianischen Autoren seien vor allem nach literarischen Kriterien benannt worden, sagte der Koordinator des Gastlandauftritts, Mario Lessa, der Nachrichtenagentur dpa. Coelho („Der Alchimist“) hatte erklärt, er kenne viele der offiziell eingeladenen Autoren nicht.

An den drei Fachbesuchertagen sind vor allem Themen an der Schnittstelle zwischen Digital und Analog wichtig. Unter anderem werden wieder neue E-Book-Lesegeräte zu bestaunen sein, doch die Neugier der Besucher dürfte deutlich geringer sein als in den Vorjahren. „Der große Hype ist vorbei“, glaubt Ronald Schild, Digital-Experte des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Jeder vierte Bundesbürger liest inzwischen Bücher auch digital, hat eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Umfrage ergeben.

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