«Gefährliche Saat» : Brisanter Polit-Thriller zum Thema Terror

Jens Kubo über «Gefährliche Saat». Droemer Knaur
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Jens Kubo über «Gefährliche Saat». Droemer Knaur

Ein Terroranschlag in einem französischen Energieversorger mit 50 Toten erschüttert die Welt. Der junge Iraker Djamal muss erleben, wie man ihn wegen seiner muslimischen Wurzeln verdächtigt. In seiner Not gerät er in den Bann eines islamistischen Seelenfängers.

shz.de von
09. Januar 2018, 12:03 Uhr

Über den Autor Jens Kubo (Pseudonym) weiß man nicht allzu viel.

Eines aber ist gewiss: Der ehemalige Luftwaffenpilot im NATO-Einsatz und heutige zivile Sicherheitsberater im In- und Ausland hat den Insiderblick, um authentisch über die Radikalisierung von Menschen bis hin zu ihrer Terrorbereitschaft berichten zu können.

Der Verfasser von politischen Romanen hat nun einen Thriller vorgelegt, der an Aktualität und Brisanz kaum zu übertreffen ist. In «Gefährliche Saat» beschreibt er den Werdegang des jungen Irakers Djamal, der in die Fänge eines «Verführers» gerät.

Djamal ist der Sohn irakischer Einwanderer in der dritten Generation. Er lebt und studiert in Berlin, fühlt sich als Deutscher und ist sich der Vorzüge bewusst, in einem freien, demokratischen Land zu leben. Und doch stößt der Muslim, der sich europäisch kleidet und ebenso wie seine Familie einem gemäßigten islamischen Glauben anhängt, allein aufgrund seines Aussehens immer wieder auf Voreingenommenheit und Ablehnung. Und das nicht nur aus dem rechtsextremen Lager.

Besonders schlimm wird es nach einem schweren islamistischen Anschlag auf einen französischen Energieversorger, bei dem 50 Menschen sterben und über 200 verletzt werden. Die Angstwelle schwappt über. Natürlich auch nach Berlin. Djamal deutet unsicher jeden Blick, der ihn trifft, als Argwohn. Und tatsächlich sind Menschen oft nicht nur voller Misstrauen, manche zeigen ihre Ablehnung mehr als deutlich. Als Djamals Mutter von zwei Jugendlichen angerempelt und beschimpft wird, gehen dem Sohn, der sie begleitet, die Sicherungen durch. Er wird handgreiflich und gerät so in die Fänge der Polizei und der Sicherheit, die in ihm sofort mehr vermuten, als einen jungen Mann, der nur seine Mutter verteidigt hat

Die schlimme Erfahrung auf der Wache, die Verhöre auch durch Geheimdienst-Experten machen ihm schwer zu schaffen. Einzig seine Freundin Nina und deren Familie können ihn wieder aufrichten. Sein Cousin Issam hingegen macht ihm klar, dass er Trost und Heil nur bei Allah findet. Beim Freitagsgebet in der Moschee macht Issam ihn mit Yusuf bekannt, einem charismatischen Mann, dessen Einfluss sich Djamal auch gegen seinen Willen kaum entziehen kann. Und das Unheil nimmt seinen Lauf. Ein Anschlag in Berlin, ein geplanter in Hamburg - und schon ist Djamal wieder im Visier der Abwehr. Es beginnt eine nervenaufreibende Jagd nach Yusuf, nach ihm, nach Terroristen.

«Die Radikalisierung vollzieht sich tatsächlich häufig schnell und in nur wenigen Wochen, was den Prozess für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar macht», schreibt Kubo in seinen Anmerkungen zum Roman. Die Mechanismen seien immer dieselben: «die Suche nach der eigenen Identität; der Wunsch nach Zugehörigkeit gepaart mit der im Hass gipfelnden Ablehnung bestehender gesellschaftlicher Strukturen, in denen der junge Mensch keinen Platz findet. Man könne dem nur entgegenwirken, jenen Suchenden ein Ziel und eine Perspektive zu geben auf der Grundlage von humanistischer Bildung und Chancengleichheit.»

«Gefährliche Saat» ist somit mehr als ein Thriller, nämlich eine Mahnung, ein Appell vor allem auch an jene, die den zahlreichen Flüchtlingen mit Skepsis oder gar Ablehnung begegnen. Zudem ist es ein spannendes Stück Literatur, das Einblick in die komplizierten Mechanismen der Terror-Abwehr gewährt und in die sicher oft nicht gerade zimperlichen Methoden mancher Behörden, die mitunter sogar als Katalysator für einen konträren Geisteswandel wirken können.

- Jens Kubo: Gefährliche Saat, Knaur Verlag, München, 352 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-4265-2202-8.

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