Kritik : „Breaking Bad“ trifft Kieler Tatort: Gute Idee, schlecht umgesetzt

Im Himmel über Kiel: Rita Holbeck (Elisa Schlott), die Freundin des Toten, und Kommissar Borowski (Axel Milberg).
Im Himmel über Kiel: Rita Holbeck (Elisa Schlott), die Freundin des Toten, und Kommissar Borowski (Axel Milberg).

Auf dem Dorf fahren berauschte Bauern im Kreis, in der Stadt feiern junge Leute auf Crystal Meth – und dann ist da noch die Tote aus Dänemark.

shz.de von
26. Januar 2015, 09:26 Uhr

Kiel | Ein ganzes Dorf auf Crystal Meth. Landwirte, die Drogen nehmen, um mehr leisten zu können – darauf muss man erst mal kommen. Der Grundton des neuen Kieler Tatorts „Borowski und der Himmel über Kiel“ war vielversprechend. „Breaking Bad“ in der schleswig-holsteinischen Provinz, da wird nicht nur gemordet, da fahren die Bauern auch gern mal mit ihrem Traktor sinnlos im Kreis herum oder putzen wie besessen Schuhe; was man so macht auf Droge. 10,67 Millionen Zuschauer schalteten am Sonntagabend ein, der Marktanteil betrug 28,5 Prozent.

„Die haben doch nichts hier. Nur ackern, im Internet Porno, und jetzt auf einmal diese Drogen. Da gerät so ein Dorf aus den Fugen“, sagt der verzweifelte Provinzpolizist, als Kommissar Borowski (Axel Milberg) der Sache auf die Spur kommt. Nur leider führt diese Spur in die Irre und damit wird die Befürchtung, die den Zuschauer von Anfang an umtreibt,, wahr: Das eine ist die Geschichte, die der Tatort erzählen will, das andere ist der Mörder. Beides zusammen ergibt wenig Sinn. Dabei war der Plot des Tatorts eigentlich vielversprechend, zwischen dunklen Himmeln, einsamen Feldwegen und schrägen Charakteren funktioniert Klaus Borowski am besten. Dann kann er nachdenken, schräg gucken, seinen Instinkten folgen. Borowski ist – im Gegensatz zu seiner Assistentin Sarah Brandt (Sibel Kekilli)– kein Techniker, er hört auf seinen Bauch.

Das hätte auch Drehbuch-Autor Rolf Basedow tun sollen. Hätte er den Mut gehabt, die Geschichte im trostlosen Dorf Mundsforde zu belassen, wäre mit Sicherheit ein hübsches kleines Kammerspiel aus den Tiefen Schleswig-Holsteins entstanden. Dann hätte man ihm sogar die etwas abgedrehte Crystal-Meth-Hysterie abgekauft. Aber es musste noch ein zweiter Handlungsstrang sein, junge Menschen in der Stadt, die im Dauerrausch der Droge feiern, tanzen und Sex haben. Bis einer von ihnen tot ist, sein Kopf wird im Fluss gefunden. Der Rest fehlt. Damit nicht genug: Es gibt noch den Zusammenhang mit einem toten Mädchen in Dänemark. Puh, diese Fäden muss man erstmal zusammenbringen.

Dem Zuschauer werden anschließend ein paar Mehrweg-Verdächtige präsentiert: Ein paar Dealer, das geht immer. Ein paar dröge Bauern auf Szenedrogen. Schon origineller. Die Freundin (Elisa Schlott) – relativ schnell ausgeschlossen. Dass der Mörder (Alexander Finkenwirth) am Ende wirkt, als hätte die Regie ihn von der Seite heimlich reingeworfen, tut dem Film nicht gut. Der Zusammenhang der beiden Taten wirkt reichlich konstruiert. So bleibt die gute Idee am Ende auf der Strecke und dem Zuschauer nur die Vorstellung, wie der Film hätte werden können. Zum Beispiel in dem Moment, als die Kommissare den Körper finden, der zum Kopf gehört. Borowski fischt das Telefon aus der Tasche des Toten und knurrt in Richtung seiner Assistentin: „Das ist doch was für Sie, Frau Brandt. Kein Kopf, aber ein Handy.“ Davon hätte es gern etwas mehr sein dürfen.
 

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