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Kultur : Bildhauer Lenk: «Nadelstiche ins Sitzfleisch»

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Der Bildhauer und Satiriker Peter Lenk provoziert gerne. Vor allem mit der Darstellung historischer oder zeitgenössischer (Polit)-Prominenz.

Sein neustes Werk «Kampf um Europa» am Bodensee zeigt die griechische Göttin, die von kleinen Figuren belagert wird. Sie hängen an ihren nackten Brüsten, sitzen auf ihrem Kopf - und sehen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) sehr ähnlich. Im Interview über das Verhältnis von Politik und Kunst macht Lenk aber nur wenig Worte: «Ich will da nicht so viel schwätzen», sagt er.

Frage: Welche Bilanz ziehen Sie nach vier Jahren Schwarz-Gelb über die Kulturpolitik der Regierung?

Antwort: Die Politiker aller Fraktionen beten ja ständig: «Kunst und Kultur sind Zukunftsmotoren der Gesellschaft.» Die Realität sieht aber anders aus. In Berlin werden inzwischen Kunstwerke über Nacht im öffentlichen Raum abgerissen, ohne die Künstler auch nur zu informieren. Teile der East Side Gallery an der Berliner Mauer beispielsweise, um einen besseren Zugang zu Luxuswohnungen zu schaffen. Und nach fünf Jahren meine 15 Meter hohe «Karriereleiter» vor der Investitionsbank Berlin, weil deren Vorstandsvorsitzenden die sozialkritische Botschaft nicht passt. Das ist Machtergreifung der Geld- und Spießbürger über die Kultur.

Frage: Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund von einer neuen Bundesregierung?

Antwort: Wortbruch. Wie immer. Oder sagen wir mal: Wortbruch, wie meistens. Sind wir mal nicht so hart.

Frage: Kann man als Intellektueller oder Kulturschaffender die Politik überhaupt noch beeinflussen?

Antwort: Das müssen Sie die Politiker fragen.

Frage: Aber aus Ihrer Sicht - haben Sie das Gefühl, Wirkung zu erzielen?

Antwort. Da müssen Sie wirklich die Politiker fragen. Das kann ich nicht sagen.

Frage: Hat Kunst denn eine politische Wirkung?

Antwort: Für mich als Satiriker bestenfalls Nadelstiche ins Sitzfleisch.

Frage: Aber die müssen sein?

Antwort: Ja. Das schaffen wir - immerhin. (lacht)

Peter Lenk über Peter Lenk

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erstellt am 13.Sep.2013 | 08:37 Uhr

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