Unesco-Expertengremium : Bier und Biikebrennen auf dem Weg zum Kulturerbe

Traditionell wird im nordfriesischen Raum am 21. Februar „Biike-Feuer“ entfacht. Das Biikebrennen steht nun in der engeren Auswahl um den Titel „Immaterielles Kulturerbe“.
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Traditionell wird im nordfriesischen Raum am 21. Februar „Biike-Feuer“ entfacht. Das Biikebrennen steht nun in der engeren Auswahl um den Titel „Immaterielles Kulturerbe“.

83 Vorschläge werden von einem Expertengremium der Unesco begutachtet. Ende des Jahres soll sich die Kultusministerkonferenz dann endgültig auf zwei Vorschläge einigen, die als immaterielle Kulturerbe in Frage kommen.

shz.de von
26. Juni 2014, 07:26 Uhr

Das deutsche Bier hat eigentlich bereits einen Weltruf. Doch das scheint den Braumeistern hierzulande nicht zu reichen. Der Titel „Immaterielles Kulturerbe“ soll her. Und es sieht gut aus für das alkoholische Lieblingsgetränk der Deutschen. Zusammen mit 82 anderen Vorschlägen ist das deutsche Bier nun in die engere Wahl für das bundesweite Verzeichnis aufgenommen worden.

Unter den Vorschlägen ist auch das Biikebrennen – „Nationalfest der Nordfriesen“ am 21. Februar – zu finden. Es ist wahrlich noch nicht weltbekannt. Also soll nach Wunsch des Friesenrates ebenfalls der Titel „Immaterielles Kulturerbe“ her. Weitere schleswig-holsteinische Traditionen, die es in die engere Wahl um den fragwürdigen Titel geschafft haben sind die Wandergesellen sowie als länderübergreifende Traditionen das Niederdeutsche Theater und das Grünkohlessen.

Die Vorauswahl trafen die Bundesländer aus 128 Bewerbungen von Verbänden, Vereinen und Einzelpersonen. Das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen Unesco-Kommission begutachtet nun bis Oktober die Vorschläge und gibt Empfehlungen für das bundesweite Verzeichnis. Ende des Jahres soll von der Kultusministerkonferenz und der Bundesregierung eine endgültige Entscheidung getroffen werden. Dann wird auch entschieden, welche zwei Vorschläge der Unesco in Paris zur Aufnahme in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes übermittelt werden.

„Mit dem bundesweiten Verzeichnis gibt es erstmals eine Wertschätzung des immateriellen Kulturerbes in Deutschland. Die Bewerbungen zeigen, wie breit gefächert die Ausdrucksformen bei uns sind“, sagt Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission. Wissen und Können werde seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben. „Veränderung gehört zu diesen Kulturformen. Gelebte Traditionen sollen erhalten, fortgeführt und weiterentwickelt werden“, so Wulf.

Unter den 83 Vorschlägen sind alle Bereiche, die in dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes genannt werden: Dazu zählen neben deutschen Brotsorten und dem Bier nach deutschem Reinheitsgebot etwa auch das Skatspiel, das Münchner Oktoberfest, die Passionsspiele in Oberammergau, der von der Geburtsstadt Bonn ins Rennen geschickte Komponist Ludwig van Beethoven oder auch die Rattenfänger-Saga aus Hameln.

Deutschland ist erst seit 2013 Vertragsstaat dieses Unesco-Übereinkommens, in dem traditionelle Bräuche, Rituale, Feste, Künste oder Handwerkstechniken aufgelistet sind. Die weltweite Liste umfasst bisher 281 immaterielle kulturelle Ausdrucksformen aus allen Weltregionen. Darin verzeichnet sind der argentinische und uruguayische Tango sowie die tibetische Oper in China. Weitere Beispiele sind das mongolische Naadamm-Festival, die Heilig-Blut-Prozession im belgischen Brügge, der kolumbianische Carnaval de Negros y Blancos und die Pfeifsprache El Silbo von der spanischen Kanareninsel La Gomera.

Was das Biikebrennen betrifft, so werden die Friesen nicht enttäuscht sein, wenn es mit der Aufnahme in die Kulturerbe-Liste nicht klappt. „Egal, ob von der Unesco geschützt oder nicht: Ich mache mir keine Sorgen darüber, dass das Biikebrennen nicht auch in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten als Tradition bei uns weitergepflegt wird“, ist sich der Husumer Bürgermeister Uwe Schmitz sicher.

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