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Berliner Schnauze ulkt im "Knust"

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Nora Tschirner, Tom Krimi und Erik Lautenschläger verzaubern als Band "Prag" mit Leichtigkeit zum Auftakt ihrer "Leisestreichler"-Tour

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Es ist auch der Look, der die Stimmung unterstreicht: auf der einen Seite die zwei epischen Männer mit gestriegeltem Haar, beigefarbenem und grauem Anzug, Weste und Krawatte. Auf der anderen Seite eine Nora Tschirner voller Leichtigkeit, im schwarzen Matrosenkleid mit weißer Schleife und Babybauch. Zusammen sind sie "Prag", zaubern nostalgischen Chanson-Pop: warm, charmant und stilvoll. Sie verbreiten Stimmungen und Erinnerungen. Die Musik, so sehr filmisch, reichhaltig instrumentiert, mit einer Prise Humor, einem gehäuften Esslöffel Melancholie und einem Dauerabonenment für den Jahrmarkt.

"Die Erde dreht sich immer fort von mir, egal wohin ich geh, sie war schon hier und das vor mir und ich bin Zweiter" singen Erik Lautenschläger und Nora Tschirner mit ihren gefühlvollen Stimmen im Einklang, fast depressiv und doch in einer angenehm wohligen Stimmung. Das Lied sollte eigentlich ein "flotter, fetziger, schmiessiger Sing zum Schwofen" werden, doch Nora Tschirner wollte es anders. Müde und tiefenentspannt haben sie und Erik Lautenschläger den Song eines Tages gesungen und damit neu erschaffen. Ein Glück, denn das Lied "Zweiter" ist ein besonderes Highlight ihres Albums "Premiere", das sie Anfang des Jahres auf den Markt gebracht haben.

Ein Glück auch, dass Erik Lautenschläger und Nora Tschirner zusammen zur Schule gingen und den Kontakt nie abgebrochen haben. Als die Männer im Studio an gemeinsamen Songideen bastelten, kam die Schauspielerin spontan dazu. Erik Lautenschläger schreibt seither die deutschen Fabel-Texte und skizziert die Songs auf der Gitarre. "Dann gehen sie in das Labor von Tom Krimi und kommen dort verkleidet als chinesischer Staatszirkus wieder heraus", so Musik-Neuling Nora Tschirner. Doch wie im Falle "Zweiter" hat auch Nora Tschirner manchmal ihre Finger mit im Spiel.

Die Drei nennen sie sich "Prag". Einfach, weil sie sich alle in die Stadt verliebten. Und: weil das Album zusammen mit dem Prager Filmorchester entstand. Doch für die ist auf der kleinen Bühne im ebenso kleinen "Knust" kein Platz. Dort versammeln sich "lediglich" sieben Musiker an Gitarre, Bass, Keyboard, Cello, Trompete und Schlagzeug. Den Rest des Orchesters übernimmt das Trio selbst, abwechselnd wird Xylophon, Glockenspiel, Hackbrett und eine XXL-Mundharmonika gespielt. Besonders Nora Tschirner geht in dem Spiel auf.

Nora Tschirner ist eine von den ganz großen Schauspielern in Deutschland, fast jeder hat schon mal einen Film mit der lustigen Berlinerin gesehen, regelmäßig sorgt sie für ausverkaufte Kinosäle. Jetzt ist alles anders. Nora Tschirner macht jetzt auch Musik. Und zumindest da muss sie ganz von Vorne anfangen, spielt seit dem Tourauftakt am 9. Mai in München vor einem spärlichen Publikum, was wie sie sagt, "vor allem aus Freunden und Verwandten besteht". "Wie hart muss es sein, vor echtem Publikum aufzutreten", witzelt sie. Witzeln ist es, was sie kann. Zwischen "Bis einer geht" und "Zeit" bespaßt sie das Publikum mit ihrer spontanen Berliner Schnauze, ulkt über Partygeschichten in Hamburg und ihren Kauf eines Cowboyhutes am Spielbudenplatz. Es wirkt spontan und es ist lustig.

Musikalisch überzeugt dagegen vor allem Frontsänger Erik Lautenschläger. Fast liegt die Behauptung nahe, dass diese Band die bekannte Schauspielerin gar nicht braucht. Aber nur fast. Denn dort oben auf der Bühne ist sie wunderbar lustig anzuhören und fabelhaft anzuschauen.

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