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Gesellschaft : Bauboom bedroht Birmas historische Metropole Rangun

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Su Su Tin hat die meiste Zeit ihres Lebens in dem Haus verbracht, das ihr Vater 1938 in Rangun baute - nun aber kommen die Bulldozer.

Die 79-Jährige wollte das Heim der Familie in Birmas größter Stadt eigentlich nur vermieten - an eine Bank oder ein Restaurant. «Ich liebe dieses Haus, weil es so schön ist und das Erbe meines Vaters, aber ich muss es verlassen», sagt Su Su Tin jetzt.

Denn ihre Kinder wollen das Grundstück verkaufen. Ein Bauunternehmer möchte ein Hochhaus darauf bauen - und hat ihnen Wohnungen darin versprochen. Solche Deals werden in Rangun im Moment täglich gemacht. Der Bauboom im Land bewirkt, dass die frühere Hauptstadt, die für ihre große Zahl von Kolonialbauten bekannt ist, nach und nach ihre historische Identität verlieren könnte.

Grund dafür ist auch der Erfolg der neuen Regierung. Seit mehr als zwei Jahren regiert der zivile Präsident Thein Sein. Politische Reformen und diplomatische Durchbrüche treiben die Entwicklung des Landes nach Jahren des sozialistischen Dornröschenschlafs voran - viele Sanktionen der USA, der EU oder anderer Länder aus der Zeit der Militärjunta, die fast 50 Jahre rücksichtslos herrschte, sind gelockert worden. Birma wacht auf. Die Besorgnis, Ranguns einmaliges architektonisches Erbe zu verspielen, aber wächst.

«Wenn die Menschen finden, dass sich alles in Birma ändern soll, verstehen sie nicht, dass wir in Rangun eine wirklich schöne Innenstadt haben, die geschützt werden muss», sagt der Historiker Thant Myint U. Er ist Gründer der Ranguner Kulturerbe-Stiftung, die nicht zuletzt auch vom Staatspräsidenten persönlich unterstützt wird.

Schließlich hat Ranguns Architektur eine lange Geschichte: Die Briten machten die Stadt unter ihrer Herrschaft 1852 zu einem der weltoffensten Orte in Südostasien. Das Stadtbild änderte sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum. 1962 übernahm das Militär Birma und wirtschaftete es herunter - viele Gebäude verfielen.

Besonders im Geschäftsviertel, dem Herzen der Millionenmetropole, brauchen die Unternehmer jetzt aber Platz. Eine Initiative der Kulturerbe-Stiftung will dem Bauboom begegnen: Mit einem «städtischen Bauerbe-Erhaltungsgesetz» sollen Schutzzonen für alte Häuser eingerichtet werden. Bisher ist das aber nicht mehr als ein Entwurf.

«Wir sind optimistisch, dass er durchkommt, weil es der regionalen Regierung helfen würde, das Wachstum der Stadt zu bewältigen», gibt sich Moe Moe Lwin, Präsidentin der Kulturerbe-Stiftung, optimistisch.

Noch aber ist gar nichts entschieden und es wird weiter gebaut. Immerhin 189 Gebäude in Staatsverwaltung hat die Stadt auf eine Liste zu erhaltener Bauwerke gesetzt. Sie werden vielleicht entkernt und modernisiert, die Fassade soll erhalten bleiben. Auf der anderen Seite aber gibt es tausende Häuser in Privatbesitz, die akut gefährdet sind.

«Für Privathäuser gibt es keinen effektiven Schutz», sagt Kyaw Lat, Berater des Ranguner Komitees für Stadtentwicklung. «Deshalb glaube ich, dass eine Menge der privaten Gebäude aus der Kolonialzeit bald verschwunden sein werden.»

Kulturerbe-Stiftung

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erstellt am 19.Aug.2013 | 00:27 Uhr

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