Fondation Beyeler : Balthus-Schau mit umstrittenem Mädchen-Bild

Setsuko Klossowska de Rola, Künstlerin und Witwe des Künstlers Balthus, vor dem Bild «La Chambre Turgue» in Basel.
Setsuko Klossowska de Rola, Künstlerin und Witwe des Künstlers Balthus, vor dem Bild «La Chambre Turgue» in Basel.

Balthus sei ein Maler des Widerspruchs und der Irritation, so das Museum. Seine Werke zeigten das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Traum, Erotik und Unbefangenheit, Vertrautem und Unheimlichen.

shz.de von
31. August 2018, 15:32 Uhr

Ironie und Abgründigkeit im Werk des Malers Balthus beleuchtet die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel in einer großen Retrospektive.

Ab Sonntag sind dort mehr als 40 zentrale Werke aus sämtlichen Schaffensphasen zu sehen. Balthus, mit vollem Namen Balthasar Klossowski de Rola (1908-2001), habe mit seiner Distanzierung von der Moderne eine eigene Form von Avantgarde entwickelt, die heute umso zeitgenössischer erscheine, so das Museum. Die Schau läuft bis zum 1. Januar 2019.

Mit der Kontroverse um Balthus-Bilder, die oft junge Mädchen in zweideutigen Posen zeigen, setzt sich die Fondation Beyeler in der Ausstellung bewusst auseinander. Sie zeigt auch das Werk «Thérèse rêvant» von 1938, das bei einer Schau im New Yorker Metropolitan Museum (Met) im vergangenen Jahr zu Protesten geführt hatte. Es zeigt ein junges Mädchen mit hochgeschlagenem Rock und gespreizten Beinen. «Eine schwer fassbare Spannung zwischen kindlicher Unbekümmertheit und verführerischer Erotik», kommentiert die Fondation Beyeler.

«In den Museumsräumen werden Kunstvermittler den Besuchern als Gesprächspartner zur Verfügung stehen», sagt die Leiterin der Kommunikation, Silke Kellner-Mergenthaler. Die Vermittler seien Kunsthistoriker oder Lehrpersonen für Bildende Kunst, die sich mit dem Werk auseinandergesetzt hätten und jeden Tag vor Ort seien. «Dazu bietet eine Kommentarwand die Möglichkeit, Stimmen Pro und Contra zu reflektieren sowie die eigene Meinung einzubringen.» Bei einer Podiumsdiskussion beleuchtet das Museum am 7. November das Thema «Balthus und die Frage der Kunstfreiheit».

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Werk «Passage du Commerce-Sint-André» von 1952-54. Es ist Teil einer Privatsammlung, aber als Dauerleihgabe im Riehener Museum. In dem Bild verdichte sich Balthus’ Beschäftigung mit der Visualisierung von räumlichen wie zeitlichen Dimensionen und deren Verhältnis zu Bildfigur und -objekt in besonderem Masse, so das Museum.

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