Kunst : Ausstellungshöhepunkte 2018 - Jahr der großen Namen

Egon Schiele, Die Umarmung, 1917. /Belvedere, Wien
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Egon Schiele, Die Umarmung, 1917. /Belvedere, Wien

Das Ausstellungsjahr 2018 steht im Zeichen einiger großer Gedenktage - vor allem in Wien. Dort starben vor 100 Jahre innerhalb weniger Monate Gustav Klimt, Egon Schiele und der Architekt Otto Wagner. Aber auch andere Metropolen bereiten Spannendes vor.

shz.de von
04. Januar 2018, 10:46 Uhr

Von Wien bis Berlin und von Zürich bis Frankfurt - in vielen Städten locken 2018 attraktive Ausstellungen. 

WIEN: 1918 starben in Wien sowohl Gustav Klimt als auch Egon Schiele, Otto Wagner und Koloman Moser. Gleichzeitig zerfiel mit dem Ende des Ersten Weltkriegs die Habsburger Doppelmonarchie. Dieser Zeitenwende gedenken die Wiener Museen 100 Jahre später mit einer wohl beispiellosen Ausstellungsserie.

So zeigt das Belvedere vom 23. März bis zum 26. August zunächst «Klimt ist nicht das Ende - Aufbruch in Mitteleuropa» und dann vom 19. Oktober 2018 bis zum 17. Februar 2019 «Egon Schiele - Wege einer Sammlung». Das Leopold Museum kombiniert vom 23. Februar bis zum 4. November Gemälde und Grafiken von Schiele mit dessen Gedichten sowie Dokumenten, Fotos und Gegenständen aus seinem Leben. Das Wien Museum präsentiert vom 15. März bis zum 7. Oktober eine große Ausstellung zum «Weltstadtarchitekten» Otto Wagner, während das MAK den Jugendstil-Künstler Koloman Moser vorstellt (20. Dezember 2018 bis 22. April 2019).

ZÜRICH: Als Altkanzler Konrad Adenauer 1966 von dem Maler Oskar Kokoschka (1886-1980) porträtiert wurde, kam ihm ein Verdacht: «Der Mann kann nicht mehr richtig sehen!», vertraute er seiner Sekretärin an. Deshalb könne er nichts dafür, dass das Bild so schlecht geworden sei. «Traurig, unendlich traurig!» Heute gilt das Gemälde als Meisterwerk und hängt hinter dem Schreibtisch von Angela Merkel im Kanzleramt. Noch viel mehr Kokoschkas vereint vom 14. Dezember 2018 bis zum 10. März 2019 das Kunsthaus Zürich. Mit 150 Exponaten deckt die Schau sämtliche Schaffensphasen ab.

MÜNCHEN: Für Paul Klee war der Erste Weltkrieg ein Geschenk des Himmels - als Soldat erlebte er seit 1916 «eine geradezu rauschhafte Produktivität». An seine Frau schrieb er: «Alles versinkt um mich, und gute Werke entstehen von selber vor mir. Ob meine Arbeit bei gelassenem Weiterleben auch so schnell emporgeschossen wäre wie Anno 1916/17?»

Erst die existenzielle Erfahrung des Krieges hatte seine Wahrnehmung so weit geschärft, dass er Bilder von einer bis dahin nicht gekannten Intensität schaffen konnte. Die Phase unmittelbar nach dem Krieg ist der Schwerpunkt einer großen Ausstellung vom 1. März bis zum 10. Juni in der Pinakothek der Moderne in München. Der hochkarätige Klee-Bestand des Museums wird dabei mit 125 Leihgaben aus aller Welt kombiniert.

FRANKFURT: Es ist eine schier unglaubliche Geschichte: 1960 wird Jean-Michel Basquiat in einer New Yorker Migrantenfamilie geboren. Der hochintelligente Junge lernt mit vier Jahren lesen und schreiben, mit elf Jahren spricht er außer Englisch auch Spanisch und Französisch. Als Jugendlicher beginnt er zu malen, seine ersten Werke sind Graffiti auf New Yorker Hauswänden. Bald arbeitet er in einem Atem beraubenden Tempo und mit wahnsinnigem Erfolg. 1982 ist er mit 21 Jahren bereits jüngster Teilnehmer der documenta in Kassel, reist öfter nach Deutschland, arbeitet mit Joseph Beuys zusammen.

Als sein großer Förderer Andy Warhol 1987 stirbt, gerät er in eine Krise - und stirbt 1988 selbst mit 28 Jahren an einer Überdosis Rauschgift. Vom 16. Februar bis zum 27. Mai organisiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt jetzt die erste große Übersichtsausstellung in Deutschland - ohne Zweifel ein Ereignis.

FRANKFURT: Der Name Peter Paul Rubens ist eine Marke: Er steht für monumentale Formate, Opulenz und wogende Leiber. Alles strotzt vor Vitalität. Nein, zum Minimalismus neigte er nicht, dieser von Kirche und Königen umworbene «Maler-Gott». In der großen Schau «Rubens - Kraft der Verwandlung» stellt das Frankfurter Städel das Werk des gebürtigen Siegeners (1577-1640) anderen Meistern gegenüber. 120 Arbeiten, darunter 48 Gemälde und 33 Zeichnungen von Rubens, sind vom 8. Februar bis zum 21. Mai zu sehen. Das ist nur möglich, weil das Städel dabei mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien zusammenarbeitet, das über eine der größten Rubens-Sammlungen verfügt. Weitere Leihgaben kommen unter anderem aus dem Prado und der National Gallery of Art in Washington.

HAMBURG: Das Doppelporträt «Mr. und Mrs. Andrews» von Thomas Gainsborough (1727-1788) ist eines der rätselhaftesten Bilder der Kunstgeschichte. Denn auf dem Schoß von Mrs. Andrews prangt ein leerer Fleck. Sollte dort vielleicht ihr später geborenes Baby eingefügt werden? Ihr Schoßhund? Niemand weiß es. Aber die Theorien dazu füllen Bände, denn Gainsborough ist einer der bekanntesten Maler der englischsprachigen Welt. Auch in Frankreich und Italien gab es schon große Ausstellungen zu ihm, nicht aber in Deutschland. Nun allerdings zeigt die Hamburger Kunsthalle vom 2. März bis zum 27. Mai eine Auswahl seiner bedeutendsten Arbeiten. Der Schwerpunkt liegt auf den Landschaftsbildern.

BERLIN: «Fleisch» heißt kurz und bündig eine Ausstellung von Mai bis Juli 2018 im Alten Museum auf der Berliner Museumsinsel. Gerade noch Grundlage Kraft strotzenden Lebens, kann es kurze Zeit später schon verwesende Substanz sein. Damit offenbart Fleisch für die Ausstellungsmacher den allgegenwärtigen Konflikt zwischen Leben und Tod. Für die Schau werden Exponate von zwölf Sammlungen der Staatlichen Museen beigesteuert.

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