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Punk, Volksmusik und Kabarett : Auf einer Bühne: Die Toten Hosen, Polt und die Well-Brüder

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Die Toten Hosen, Gerhard Polt und die Well-Brüder haben ihre Tournee «Im Auge des Trommelfells» gestartet. Ein Abend zwischen Punk, Volksmusik und Selbstironie.

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erstellt am 06.Jul.2017 | 15:28 Uhr

Steht Gerhard Polt mit einer Kuhglocke auf einer Bühne und muht. Campino von den Toten Hosen und die drei Well-Brüder blasen daneben in Alphörner. Es hört sich an wie der Beginn eines schlechten Witzes - ist es aber nicht, sondern das Ende eines bemerkenswerten Abends.

In den Münchnern Kammerspielen gaben der Kabarettist Gerhard Polt, die Toten Hosen und die Well-Brüder am Mittwoch den Auftakt für die gemeinsame Tournee «Im Auge des Trommelfells».

«Wir sind Fusion, wie der Gourmet sagt: Schweinshaxe mit Sushi und Currywurst Pommes» begrüßt Tote-Hosen-Frontmann Campino die 700 Zuschauer. Versprochen und gehalten. Die Well-Brüder beginnen mit bayerischer Volksmusik und satirischen Liedtexten. Die Düsseldorfer Punkband begleitet. 

«Und wenn die Sechziger in der vierten Liga auch keine Punkte holen, werdens nie mehr gegen Fortuna Düsseldorf spielen», singt das Ensemble mit Blick auf den Abstieg der Münchner Löwen. Erste Lacher im Publikum, Klatschen.

Dann spielen die Toten Hosen ihren Song «Strom» auf Akustikgitarren, dazu Blasmusik der Well-Brüder. Rock braucht keine E-Gitarre.

Das Programm lebt vom ständigen Gegensatz. Punk gegen Volksmusik, Bayern gegen Rheinländer, Campinos raue Stimme gegen den sanften Klang der Harfe. Polt umrahmt das Spektakel. Immer wieder spielt er die Rolle eines unseriösen Talentscouts, der Musiker für seine Eventfirma sucht und den beiden Bands Verträge anbietet.

«Wir organisieren auch Klassik, da musst du Idealist sein. Beim Wort Kirchenmusiker kommt ja schnell das Wort Kirchenmaus», witzelt Polt. Sein Urahne habe Mozart schon gefördert, der Schuldschein liege immer noch in seinem Tresor.

Passend dazu stimmt die Gruppe den «Vogelfänger» aus Mozarts «Zauberflöte» an, Campino gibt einen Papageno mit kratziger Stimme. Die Stimmung ist inzwischen ausgelassen, bei jedem Hosen-Song singt das Publikum mit.

Die Fusion von bayerischer Volksmusik und Kabarett mit rheinischem Punk gelingt. Über zwei Stunden bieten die Künstler, die schon 2005 zusammen auf Tour waren, ein Spektakel, das immer unterhält und nie langweilt. Sie machen Witze über Angela Merkel, Horst Seehofer, Mietpreisbremse, Abschottungskultur, Herbert Grönemeyer, Hansi Hinterseer und Bauchtanz. Manchmal bissig, immer clever, niemand kommt davon. Auch sie selbst nicht.

Wenn Karl Well seine eigenen Fähigkeiten in Sachen Bauchtanz zeigt, Campino ungeschickt in die Trompete bläst und dabei fast in Lachen ausbricht, wird die eigentliche Stärke der Show klar: sich selbst nicht zu ernst nehmen, auf der Bühne Spaß haben und außerhalb des eigenen Gebiets experimentieren.

«Im Auge des Trommelfells» lebt aber auch vom Kokettieren mit Lokalstolz und dem gegenseitigen Gefrotzel zwischen Rheinländern und Bayern. Ob die Zuschauer in Zürich, Hamburg und Berlin damit genauso begeistert werden können, wird sich zeigen.

In München zumindest stehen am Ende des Abends alle Zuschauer, singen jedes Wort mit und erklatschen sich nach den Alphörnern noch eine halbe Stunde Zugabe. Bis zum 16. Juli sind die Toten Hosen, Gerhard Polt und die Well-Brüder noch gemeinsam auf Tour.

Die Well-Brüder

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