Ulrich Schulte-Wülwer Ein Leben für die Kunst in Schleswig-Holstein

Von Martin Schulte | 16.05.2011, 07:51 Uhr

Er bekam gerade den Verdienstorden des Landes überreicht: Ulrich Schulte-Wülwers aus Flensburg hat sich 35 Jahre für die Kunst im Land engagiert.

Er schaut immer noch fast jeden Tag hin - zwangsläufig. Der Blick von Ulrich Schulte-Wülwers Flensburger Wohnzimmer-Fenster geht in Richtung Museumsberg, seinem langjährigen Arbeitsplatz. "Ich könnte morgens den ersten Besucher rein- und abends den letzten rausgehen sehen", sagt Schulte-Wülwer und lacht. Denn das macht er natürlich nicht.
Der Mann, der das Flensburger Museum als Direktor über Jahrzehnte geprägt hat, ist seit seiner Pensionierung Ende 2009 viel unterwegs für die Kunst und Kultur des Landes. Nur, dass er seine Arbeit statt in der Öffentlichkeit jetzt eher im Verborgenen macht.
Verdienst für 35 Jahre Engagement
Vor ein paar Tagen stand Ulrich Schulte-Wülwer dennoch wieder in der Öffentlichkeit, als ihm Ministerpräsident Peter Harry Carstensen den Verdienstorden des Landes überreichte. Carstensen dankte damit für 35 Jahre, in denen der promovierte Kunsthistoriker sich für die Kunst in Schleswig-Holstein engagiert habe.
Das Lob klang sehr nach Vergangenheit, lässt sich aber ohne weiteres in die Gegenwart tragen. Denn Schulte-Wülwer engagiert sich weiterhin. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender des Museums Kunst der Westküste auf Föhr und damit auch verantwortlich für den weltweiten Ankauf von Bildern für das Museum. Mit dem Alkersum-Stifter Frederik Paulsen verbindet ihn noch ein weiteres Projekt, das sehr zeitintensiv ist - die Einrichtung eines Textilmuseums in Bhutan. Neben konzeptionellen Überlegungen geht es dort auch um die praktische Umsetzung der Ausstellung. "Gerade musste ich mich darum kümmern, wie wir zwölf Tonnen Glas von Frankfurt nach Bhutan bekommen", sagt Schulte-Wülwer. Die Textilien sollen schließlich ansehnlich präsentiert werden.
Außerdem hilft Schulte-Wülwer ehrenamtlich im Keitumer Heimatmuseum auf Sylt. Dort hat er die Exponate gesichtet, das Wichtige vom Unwichtigen getrennt - und berät die Verantwortlichen bei ersten Überlegungen, an die Stelle der Thermenruine ein Kulturzentrum zu errichten.
Nicht viel Ruhe für den Ruheständler
Da bleibt nicht viel Ruhe für den Ruheständler. "Jeder, der ein erfülltes Berufsleben abschließt, hat die Sorge, anschließend in ein Loch zu fallen", sagt Schulte-Wülwer. Dieses Loch ist bei ihm nicht sonderlich groß ausgefallen, und wo er tatsächlich mal in Müßiggang fallen könnte, wartet dann die wissenschaftliche Arbeit - ein Bereich, den Schulte-Wülwer auch während seiner Direktoren-Zeit nie vernachlässigt hat: "Ich habe mir dafür jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Zeit genommen."
Schulte-Wülwer ist ein begeisterter Forscher, seine lesenswerten Bücher über die Kunst in Schleswig-Holstein belegen dies eindrucksvoll. So ist Museumsstifter Frederik Paulsen auf ihn gestoßen, so ist der Kontakt zu einem Hamburger Unternehmer-Ehepaar mit einer umfang reichen Kunstsammlung entstanden. Schulte-Wülwer unterstützt das Ehepaar bei ihrem Stiftungsmodell - und wird die wertvolle Sammlung so eines Tages ins Land holen. Spätestens dann wäre wohl der nächste Orden fällig.
(mas, shz)