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Hamburger Malerin : Anita Rée: Künstlerin zwischen den Welten

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Anita Rée war in den 20er Jahren ein Star der künstlerischen Avantgarde. Jetzt wird das Werk der Hamburger Malerin erstmals in einer Ausstellung umfassend gewürdigt.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 15:20 Uhr

Als Anita Rée Mitte der 20er Jahre aus Italien zurückkehrte, war die Hamburger Malerin eine gefeierte Künstlerin: Sie hatte zahlreiche Ausstellungen im In - und Ausland, war eine gefragte Porträtistin und hoch angesehen bei ihren - meist männlichen - Kollegen.

Doch durch ihren frühen Tod 1933 und die Tatsache, dass ihre Werke vor allem auf Privatsammlungen verteilt sind, ist die Künstlerin heute nicht mehr so bekannt. Das soll sich nun durch eine umfassende Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle ändern: Von Freitag an bis zum 4. Februar sind rund 200 Gemälde, Aquarelle und Objekte aus privaten und öffentlichen Sammlungen zu sehen.

Geboren 1885 und aufgewachsen als Tochter eines angesehenen jüdischen Kaufmanns und einer Mutter mit südamerikanischen Wurzeln wusste Anita Rée schon früh, was sie wollte: Künstlerin werden. Sie erhielt eine professionelle Ausbildung, reiste nach Paris, um von den großen Künstlern der Moderne wie Henri Matisse oder Fernand Léger zu lernen.

«Als Malerin zwischen Tradition und Moderne, als selbstständige Frau in der Kunstwelt, regionale Künstlerin mit übernationalem Anspruch, als protestantisch erzogene Hamburgerin mit südamerikanischen und jüdischen Wurzeln lebte Rée gleich mehrfach zwischen den Welten», sagte die Kuratorin Karin Schick am Donnerstag in Hamburg.

Die Ausstellung beginnt, als sie 1913 mit den «Agnes»-Bildern eine eigene Bildsprache entwickelt. Sehr früh konzentriert sich Anita Rée auf das Porträt und das Figurenbild und entwickelt «eine sehr moderne Weise, auf Menschen zuzugehen», sagte Schick. Auch dem Fremden steht sie nahe, weil sie es an sich selbst entdeckt. «Mit ihren Bildern umkreiste Anita Rée die Frage nach Identität, nach Subjekt und Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit in einer sich wandelnden Welt», meinte die Kuratorin. Rée selbst fällt aus den Konventionen: Sie heiratet nie, bekommt keine Kinder und ist zeitlebens auf der Suche - was auch ihre Selbstbildnisse mit ihrem suchenden Blick verraten.

Die unbeschwerteste Zeit ihres Lebens hatte die melancholische Malerin wohl in Italien, als sie von 1922 bis 1925 in Positano an der Amalfiküste lebte. Ihrer Schwester schrieb sie: «Ich möchte nie nach Deutschland zurück.» Und doch kehrte sie nach Hamburg zurück, fühlte sich aber zunehmend unwohl, obwohl sie als Künstlerin anerkannt war. Gründe dafür waren die Wirtschaftskrise und das Erstarken der Nationalsozialisten, aber auch persönliche Enttäuschungen. Im Spätsommer 1932 verließ sie die Stadt und zog auf die Nordseeinsel Sylt. Dort malte sie ihre letzten Bildern, in denen ihre Einsamkeit und Zukunftsangst deutlich erkennbar sind.

Im Frühjahr 1933 wurde sie von der Hamburgischen Künstlerschaft als «artfremdes Mitglied» diffamiert und ausgeschlossen. Am 12. Dezember 1933 nahm sie sich das Leben.

Hamburger Kunsthalle

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