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Songkunstwerke : Andreas Ihlebæk: Große Klanggemälde mit Konzept

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Vieles klingt mittlerweile sehr ähnlich im Genre Singer-Songwriter. Da tut es gut, mit Andreas Ihlebæk einen Musiker zu hören, der die Grenzen erweitert. Ihm ist so auf Anhieb ein Meisterstück geglückt.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Im Sound des Norwegers Andreas Ihlebæk fließt viel zusammen: Folk und Soul, aber auch Klavier-Jazz, Neoklassik mit Schwerpunkt auf Chor-Arrangements, sogar Kirchenmusik. Alles in allem ist «The Guest» ein kleines Pop-Wunderwerk.

Und keines zum Nebenbei- oder Im-Hintergrund-Hören, soviel gleich zur Warnung. Man sollte sich schon konzentrieren auf diese teils meditativ fließenden, teils hymnisch aufbrausenden, oft langen Lieder. Einflüsse von Chet Baker, Burt Bacharach und Brian Wilson erkennt Produzent Christian Engfelt in den großen Klanggemälden des Sängers und Pianisten Ihlebæk. Man könnte auch George Gershwin und (vor allem stimmlich) Jeff Buckley als Bezugspunkte nennen.

Ihlebæk selbst bezeichnet seine Musik etwas mysteriös als «fjellsoul», also «Berg-Soul». Im vorigen Jahr hatte «The Guest» (So Real International/Rough Trade) schon Live-Premiere bei einem der größten Festival Norwegens, der Auftritt wurde von Kritikern als «atemberaubend schön» bejubelt. Man kann sich gut vorstellen, wie erhebend die von Ihlebæk und Background-Sängerinnen geschürte Gospel-Glut von Songs wie «The End Of The Sky», «Let Love Set You Free» oder «I'm With You» in einem Konzert klingt.

Wir sind nur kurze Zeit zu Gast auf dieser Erde, was also machen wir daraus? Darum geht es in «The Guest», einer Songsammlung, die «über alle Grenzen hinweg einen ruhigen Raum für Frieden und Reflexion schaffen» soll. Der thematische Anspruch von Ihlebæk, bisher Komponist für Animations-, Kurz- und Dokumentarfilme, ist also hoch. Und auch wenn das Konzept dieses Albums etwas esoterisch klingen mag (Cover-Artwork inklusive), kann man den Überbau auch getrost ignorieren und einfach auf diese acht Songkunstwerke hören.

Ähnlich wie kürzlich der Israeli Oren Lavie mit seinem prachtvollen zweiten Album «Bedroom Crimes», beweist nun also auch der Norweger Andreas Ihlebæk, dass ganz spezielle Singer-Songwriter-Werke derzeit eher nicht aus den USA oder Großbritannien kommen. Sein Debüt «The Guest» ist ein weiterer Triumph der Pop-Peripherie.

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