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Menschenrechte : Alternativer Nobelpreis für Kampf gegen Chemiewaffen

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Vorkämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden werden jährlich mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr geht die Ehrung unter anderem an einen US-Amerikaner.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 12:48 Uhr

Stockholm | Der Alternative Nobelpreis zeichnet in diesem Jahr den Kampf gegen Chemiewaffen und den mutigen Einsatz für Vergewaltigungsopfer im Kongo aus. Der US-Amerikaner Paul Walker bekommt den Preis inmitten der aktuellen Diskussion um die Vernichtung von Syriens Giftgas-Vorräten als „einer der effektivsten Wegbereiter für die Abschaffung von Chemiewaffen“, wie die Right Livelihood Award-Stiftung am Donnerstag in Stockholm verkündete.Weitere Preisträger sind der Schweizer Agrarforscher Hans R. Herren und der palästinensische Anwalt und Menschenrechtler Radschi Surani. Die Auszeichnungen sind mit je 57.000 Euro dotiert.

Walker habe sich als Direktor für „Environmental Security and Sustainability“ beim Internationalen Grünen Kreuz unerbittlich für die Umsetzung der Konvention zum Verbot von Chemiewaffen eingesetzt, hieß es in der Begründung der Stiftung. Durch Walkers Einsatz seien schon Zehntausende Tonnen chemischer Waffen aus sechs nationalen Arsenalen sicher vernichtet worden. Jetzt konzentrierten sich seine Bemühungen auf den Beitritt weiterer Länder zu dem Pakt. Die Konvention wird gegenwärtig von 189 Staaten getragen. Syrien soll am 14. Oktober Mitglied werden.

Walker sagte der Nachrichtenagentur dpa, er sei froh, dass die Vernichtung der letzten Chemiewaffen auf der Welt nun wieder stark im öffentlichen Fokus stehe - auch durch den Preis. Als historischen Schritt bezeichnete er den geplanten Beitritt des Bürgerkriegslandes Syrien zur Konvention, die gegenwärtig von 189 Staaten getragen wird.

Den Arzt Denis Mukwege ehrt die Stiftung für sein Engagement für vergewaltigte Frauen in seiner Heimat, der Demokratischen Republik Kongo. In einem Krankenhaus in Süd-Kivu behandelt der Gynäkologe unermüdlich Opfer sexueller Kriegsgewalt. Seit Jahren setzt er sich öffentlich dafür ein, deren Peiniger zur Rechenschaft zu ziehen. Auch ein Attentat auf ihn, bei dem statt Mukwege einer seiner Mitarbeiter starb, brachte ihn nicht dazu, aufzuhören. Mukwege wird auch als Anwärter für den Friedensnobelpreis gehandelt. Weitere Auszeichnungen bekommen zum ersten Mal seit dem Start der Alternativen Nobelpreise 1980 ein Schweizer und ein Palästinenser. Der Agrarforscher Herren rettete laut der Stiftung mit einem biologischen Programm zur Schädlingsbekämpfung in Afrika „Millionen von Menschen das Leben“. Mit seiner Schweizer Stiftung helfe Herren heute Landwirten, „Hunger, Armut und Krankheit durch biologischen Landbau zu bekämpfen“.

Der Anwalt Surani erhält den Preis, weil er sich „furchtlos und vorurteilsfrei für die Menschenrechte in Palästina und der arabischen Welt“ einsetzt. Im Gazastreifen dokumentiere Surani Menschenrechtsverletzungen, vertrete Opfer und bilde inzwischen auch syrische Juristen aus. „Die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit in allen arabischen Ländern zu verbreiten, das ist schon eine fantastische Multiplikatorwirkung“, sagte der Direktor der Stiftung, Ole von Uexküll.

Surani sagte der dpa in Gaza, dies sei der wichtigste Preis, den er je im Leben bekommen habe. „Der Zeitpunkt der Auszeichnung für jemanden wie mich aus dem Gazastreifen hat eine besondere Bedeutung und Auswirkungen in den schweren Zeiten, da wir vernachlässigt unter einer Blockade leben.“ Zugleich sei der Preis die Belohnung für seine 37-jährige Arbeit auf dem Gebiet der Menschenrechte und für 37 Jahre friedlichen Kampfes. „Ich bin so stolz, dass ich diesen Preis bekommen habe und werde meine Arbeit unverändert fortsetzen.“ 

Der Alternative Nobelpreis - offiziell Right Livelihood Award (Preis für richtige Lebensführung) - ehrt unabhängig von und mit kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden. 2013 waren 94 Kandidaten aus 48 Staaten für den Preis vorgeschlagen. Insgesamt wurden inzwischen 153 Preisträger aus 64 Ländern geehrt. Verliehen werden die Preise am 2. Dezember im Schwedischen Reichstag in Stockholm. Der Name des neuen Friedensnobelpreisträgers wird am 11. Oktober in Oslo bekanntgegeben.

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