zur Navigation springen

Alte Rivalen, neue Geldsorgen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Chorakademie Lübeck: Trotz schwieriger Finanzlage ist 2015 gesichert

Mit dem chinesischen Komponisten Tan Dun und dem „Bach-Papst“ Helmuth Rilling ist die Internationale Chorakademie Lübeck in die neue Runde gestartet. „Künstlerisch läuft es hervorragend“, sagt deren Chef Rolf Beck: „Das Problem ist die Finanzierung. Aber wir kämpfen.“

Vor ein paar Tagen ist er 70 geworden. Wer Rolf Beck bei der gerade gestarteten „Zweiten Arbeitsphase“ in Travemünde erlebt, mag das kaum glauben. Gleichwohl nagt der Geburtstag oder vielmehr das, was er an dem Tag nicht bekam, an ihm: Einen Glückwunsch vom Schleswig-Holstein Musik Festival, dessen Intendant er von 1999 bis 2013 war. „Es gibt keinerlei Kontakte, keinerlei Interesse von Festival-Seite. Ich kann damit leben“, sagt Beck.

Seit Rolf Beck die 2002 von ihm als ein Herzstück für das SHMF gegründete Chorakademie 2013 mit sich nahm, knirscht es in der Lübecker Kulturszene. Der Festivalsitz im Palais Rantzau und das Domizil der Chorakademie sind beide Empfänger von Sponsorengeldern teils der gleichen Geber. Beck grabe dem SHMF an der Quelle, lautet ein Vorwurf, seit der Chorleiter am Akademie-Export arbeitet. Offiziell haben Festival und Internationale Chorakademie auch nichts gegeneinander. Deren Idee sei die seine gewesen und er habe sie halt mitgenommen, sagt Beck knorrig. Das SHMF mache unter der Intendanz von Christian Kuhnt etwas völlig anderes. „Norddeutschland singt“ nennt er die Installation eines hauptsächlich für Laien geöffneten Festivalchores, der nun auch auf die Bezeichnung „Akademie“ verzichtet. Die hat Beck. Und der setzt auf internationale Auditions.

Dort gefischte Sängerinnen und Sänger arbeiteten vergangenes Jahr mit der A-Capella-Gruppe „Vocal Six“, mit Fazil Say, Martin Grubinger und ebenfalls mit Helmuth Rilling. Jetzt reist Tan Dun, der, so Beck, „bedeutendste chinesische Komponist der Gegenwart“, zur Einstudierung und Aufführung seiner Komposition „Water Passion“ nach Travemünde in die Ostsee-Akademie. Dass dort die finanziell ungesicherte Zukunft des Gebäudes sich auf die Arbeitsphasen der Akademie niedergeschlagen hat, nimmt Beck mit bittersüßem Kommentar: „Das wäre das zweite Haus, das in meiner Zeit geschlossen wird.“ Er meint den Verlust des Gutes Salzau für SHMF und JazzBaltica, der in seine Intendanz fiel. Lübeck soll jedoch Heimstatt seiner Chorakademie bleiben – allein schon, weil hier neben der ihn unterstützenden Possehl-Stiftung auch die Musikhochschule sitzt, mit der es Kooperationen gibt.

Beck lässt durchblicken, dass die Finanzierung seiner Akademie ansonsten ein hartes Brot ist. „2015 ist gesichert“, sagt er, „ein Antrag auf Verlängerung bei Possehl ist geplant. Wenn man Leistung erbringt, wird man diese auch gewürdigt bekommen.“ Und Leistung erbringt er mit seiner Akademie, da ist er sicher. „Und wir tragen den Namen Lübeck in die Welt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen