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Kunst : Al-Majassa: Milliarden für die Kunst

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Sie widerspricht vielen gängigen Klischees von Frauen in der arabischen Welt: Scheicha Al-Majassa bint Hamad bin Chalifa al-Thani tritt nicht nur selbstbewusst auf, sie ist mächtig dazu - zumindest in der Kunstwelt.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 13:27 Uhr

Als Chefin der Museen des kleinen, aber reichen Emirats Katar am Golf gibt die 30-Jährige ein gewaltiges Vermögen aus, um Kunst zu erstehen.

Die außergewöhnliche Finanzkraft hat sie ihrer Position in der Herrscherfamilie Katars zu verdanken. Sie ist Tochter von Hamad bin Chalifa Al-Thani, dem langjährigen Emir Katars, der vor kurzem die Macht an seinen Sohn abgab. Die 30-Jährige selbst ist eine ehrgeizige Frau. Angespornt von ihrer Mutter hat sie Politikwissenschaft und Literatur in den USA studiert.

Nach Schätzungen von Experten investiert die Schwester des neuen Herrschers im Jahr bis zu eine Milliarde US-Dollar in Werke der bekanntesten Künstler. Von einer solchen Summe können Häuser wie das Museum of Modern Art in New York oder die Tate Modern in London nur träumen. Das «ArtReview»-Magazin hat Al-Majassa nun zur einflussreichsten Person der Kunstwelt gekürt.

Ihre Einkaufsliste liest sich wie ein Who's Who der Kunstwelt der letzten 150 Jahre: Für 250 Millionen US-Dollar (181 Millionen Euro) erstand sie eine Version von Paul Cézannes berühmter Gemäldeserie «Die Kartenspieler». Das ist der höchste Preis, der bislang für ein Gemälde bezahlt wurde. Mehr als 70 Millionen US-Dollar gab sie für ein Bild des Amerikaners Mark Rothko aus. Im Vergleich dazu muten die mehr als 20 Millionen US-Dollar für das «Pill Cabinet» des Briten Damien Hirst fast schon bescheiden an.

Erst vor zwei Wochen wurde in der katarischen Hauptstadt Doha eine große Retrospektive mit Werken von Hirst eröffnet. Solche Ausstellungen sind in den islamischen Golfstaaten noch immer eher selten. Da einige Religionsgelehrte ein Bilderverbot vertreten, hatte diese Art von Kunst dort lange einen schweren Stand.

Dennoch hat sich Katar mittlerweile dank der kunstbegeisterten Herrscherfamilie als ein weiteres Zentrum der internationalen Szene etabliert. Die Devise lautet auch hier: Nicht kleckern, sondern klotzen. In den vergangenen Jahren eröffnete das Land mehrere große Museen. An erster Stelle ist das Museum für Islamische Kunst zu nennen, ein spektakulärer Bau des chinesisch-amerikanischen Architekten I. M. Pei. Manche Kenner halten es für eines der besten Häuser seiner Art in der Welt. Zeitgenössische Kunst ist im «Mathaf: Arab Museum of Modern Art» zu sehen. Das neue Nationalmuseum von Katar soll im Dezember 2014 eröffnet werden.

Auf der kleinen Halbinsel am Golf treffen sich regelmäßig die Größen der internationalen Kunstszene. Ihre Gastgeberin: Scheicha Al-Majassa.

Der massive Ausbau der Museen passt auch in die Strategie der Herrscherfamilie, das kleine Emirat zu einem einflussreichen Staat zu entwickeln. Mit dem TV-Kanal Al-Dschasira gehört ihr auch einer der wichtigsten arabischen Fernsehsender. 2022 soll die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ausgetragen werden.

Die Museen in Katar seien Kinder ihres Vaters, verriet Al-Majassa dem US-Magazin «Economist»: «Er wollte etwas Neuartiges schaffen.» Das ist ihm gelungen. Eine Schattenseite bleibt jedoch: Mehr Meinungsfreiheit ist mit der Kunst nicht ins Land gekommen.

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