zur Navigation springen

TV-Film „Der Rücktritt“ : Affäre Wulff - Liebe a.D.

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor zwei Jahren trat Christian Wulff von seinem Amt als Bundespräsident zurück. Es folgte die Trennung von seiner Frau Bettina. Heute Abend gibt ein TV-Film die Geschichte des Paares wieder.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2014 | 07:52 Uhr

Ein Doku-Drama ist kein Spielfilm. Der Rücktritt Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten ist keine Fiktion, sondern war Realität. Er hat – vor genau zwei Jahren – die Republik erschüttert, Fragen aufgeworfen, die längst nicht beantwortet sind, von denen manche immer noch die Gerichte beschäftigen. War der heute 54-jährige Wulff Opfer einer Medienkampagne oder doch eher Täter, weil er viele Fehler gemacht und deren Tragweite massiv unterschätzt hat?

Der TV-Film „Der Rücktritt“ mischt überzeugend Realität – zahlreiche Doku-Einsprengsel aus Nachrichten und Fernseh-Beiträgen – und Fiktion: der Blick hinter die Kulissen. So könnte es gewesen sein. Nach der Premiere am Montagabend im Berliner Kino International kommt „Der Rücktritt“ heute (20.15 Uhr) auf Sat.1 ins Fernsehen.

Kai Wiesinger (47) und Anja Kling (43) sind Christian und Bettina Wulff. Es geht um die letzten 68 Tage der beiden als Präsident und First Lady. Den Startschuss gibt der Bericht über Wulffs Hauskredit bei der Unternehmergattin Edith Geerkens. Die „Bild“ hat es herausgefunden, und weitgehend folgt der Film dem Buch der „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch – im Film Thorsten Merten und Christian Ahlers.

Produzent Nico Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“) würdigte vor dem Premierenpublikum deren Recherche: „Ohne diese Faktengenauigkeit wäre der Film nicht möglich gewesen“, sagte er. Und Sat.1-Fiction-Chef Joachim Ketschau erinnerte daran, dass ARD und ZDF das Projekt nicht haben wollten. „Ich danke den Öffentlich-Rechtlichen.“

Immer wieder wechseln Dokumentarszenen und Spielsequenzen ab. Regisseur Thomas Schadt nannte den Film ein „Eingeschlossenen-Drama“. Sein Rezept: „Nicht zu viel Gefühle, sondern kritische Distanz“. Er wollte erzählen, was damals in den entscheidenden Tagen im Schloss Bellevue passiert ist.

Auf Informationen von Christian und Bettina Wulff musste er dafür verzichten. Die beiden lehnten eine Mitarbeit ab. Die Rechte an Bettina Wulffs Erinnerungen hätte Schadt auch gerne verwertet, sie waren aber nicht erhältlich.

Eine entscheidende Szene war natürlich der Anruf Wulffs auf die Mailbox von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann (Hans-Jochen Wagner). Er bittet um Aufschub der Berichterstattung und droht: Es werde Krieg geben. Klar, wenn es den einen großen Fehler Wulffs gegeben hat, dann war es dieser Anruf. Partei ergreift der Film aber nicht. Er wollte der Figur Wulff gerecht werden, sagt Hauptdarsteller Wiesinger. „Das kann nur funktionieren, wenn man das ohne jede Bewertung macht.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen