Interview mit SH-Musiker : Achim Reichel: „Als Musiker kann ich die Welt sehen“

Neues Album, nächste Tour: Achim Reichel in seinem Hamburger Studio.
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Neues Album, nächste Tour: Achim Reichel in seinem Hamburger Studio.

Der gebürtige Schleswig-Holsteiner Achim Reichel über sein neues Album „Raureif“, das am Freitag erscheint.

shz.de von
21. Januar 2015, 17:05 Uhr

Hamburg | Mit den Rattles kam Achim Reichel, der im schleswig-holsteinischen Wentorf geboren wurde und heute in Hamburg wohnt, in den 1960ern groß raus. Jetzt veröffentlicht der 70-Jährige mit „Raureif“ ein Album, das seine Vielseitigkeit demonstriert: Seemannslieder singt er genauso leidenschaftlich wie irischen Folk.

Herr Reichel, hätten Sie als junger Mann gedacht, dass Sie mit 70 immer noch auf der Bühne stehen würden?
Nein. Ich war mir damals sicher: Wenn man auf die 30 zugeht, muss man sich einen anständigen Beruf suchen. Doch ich bin wohl für die Musik geboren. Ich tue nichts lieber, als mich mit ihr zu beschäftigen.

Dabei wollten Sie ursprünglich zur See fahren.
Ich komme aus einer Seefahrerfamilie. Mein Plan war es, wie mein Vater Schiffssteward zu werden. Bis ich merkte: Ich muss gar nicht raus aufs Meer, die Welt kann ich auch als Musiker sehen.

Und nun machen Sie mit Ihrer CD „Raureif“ eine musikalische Reise um die Welt – mit Seemannsliedern, irischem Folk und Reggae.

Das liegt natürlich daran, dass ich mittlerweile 50 Jahre im Musikgeschäft unterwegs bin. Da habe ich einen breiteren Horizont als ein junger Künstler, der gerade erst anfängt.

Im Stück „Abschiedsbrief“ gibt es ein „La Traviata“-Sample. Lieben Sie die Oper?

Nicht unbedingt. Aber ich entdecke in der Klassik manchmal hochinteressante Sachen. Weil ich nicht zu denen gehöre, die sich ausschließlich auf ihre eigenen Songs konzentrieren und alles andere um sich herum ausblenden. Im Gegenteil: Ich höre mir jede Art von Musik an.
Der Titel „Der Harte, Kleine, Schnelle“, der von einem überforderten Fußballprofi handelt, lässt vermuten, dass sie Fußballfan sind.
In meiner Jugend habe ich bei den zweiten Knaben des FC St. Pauli im Tor gestanden. Mein Schwager Hans Wehrmann war ja eine große Nummer bei diesem Verein. Er hat mich immer mit ins Stadion genommen.

Wie oft sind Sie heute noch am Millerntor?
Eher selten. Phasenweise hat St. Pauli bloß noch Freudenhausfußball gespielt. Wenn einer direkt vorm Tor steht und trotzdem daneben schießt, werde ich verrückt.

Fußballprofis sind halt nicht immer in Bestform, einige gehen an ihrem Job sogar zugrunde.

Die Spieler sind sehr junge, zum Teil noch unreife Menschen. Wenn sie plötzlich irre viel Geld verdienen, macht sie das natürlich zu einem begehrten Objekt für die Damenwelt. Dadurch ist mancher schon auf die Nase gefallen – sei es nun Lothar Matthäus oder Mesut Özil. Insofern finde ich es originell, ein Lied über einen Fußballer zu singen, dem eine unglückliche Liebe so zu schaffen macht, dass er auf dem Platz nicht mehr bei sich ist.


Achim Reichel tritt Sa, 25. April, 20 Uhr, im Kieler Schloss auf. Mo, 27. April, 20 Uhr, gastiert er im Mehr! Theater am Hamburger Großneumarkt, Karten: 01806/570070.



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