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Vor Konzert in Hamburg : AC/DC-Gründer Angus Young: Axl Rose macht es sehr gut

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Der Clash der Hardrock-Superstars geht bislang auf, die ersten Konzerte waren umjubelt. Nun zeigen sich die Rock-Legenden erstmals gemeinsam den deutschen Fans.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2016 | 14:01 Uhr

Hamburg | Vor ihrem Deutschland-Debüt mit Guns-N'Roses-Sänger Axl Rose am Mikrofon in Hamburg haben die Rock-Legenden von AC/DC eine positive Zwischenbilanz der Europa-Tour gezogen. „Es hat Spaß gemacht, es war sehr aufregend“, sagte Gitarrist Angus Young (61) im Interview.

Die Nachricht, dass Axl Rose als Sänger bei AC/DC einspringt, war vielfach kritisiert worden. Fans äußerten ihre Skepsis und manche gaben ihre Karten für das Konzert wieder zurück.

Die Konzerte seien natürlich anders als mit dem erkrankten AC/DC-Sänger Brian Johnson (68), dem die Ärzte eine Zwangspause verordnet haben, sagt Young. „Aber Axl hat Spaß dabei. Er macht es sehr gut.“ Zudem werde der 54-Jährige, der wegen eines gebrochenen Fußes bei der Premiere Anfang Mai in Lissabon noch hatte sitzend auftreten müssen, immer beweglicher. Auf der Bühne müssten sie sich jetzt sogar aus dem Weg gehen, scherzte Angus Young, der für seine Gitarrenriffs in Schuluniform weltberühmt ist.

Im Hamburger Volksparkstadion wollen Young und Co. am Donnerstagabend vor etwa 50.000 Zuschauern rocken: „Wir freuen uns auf eine fantastische Show und das erste Konzert 2016 in Deutschland.“ Danach geht es mit 17 Trucks für das Equipment weiter nach Leipzig (1. Juni), ehe als Schlussakt der „Rock Or Bust“-Europatour kurzfristig noch ein Auftritt in Düsseldorf (15. Juni) ins Programm aufgenommen wurde.

 

Was die fernere Zukunft bringt, darüber gaben Angus Young und Bassist Cliff Williams (66) keine Prognose ab. Sie hätten nach den jüngsten Rückschlägen - erst die Demenzerkrankung von Gitarrist und Bandgründer Malcolm Young, dann der juristische Ärger für Drummer Phil Rudd, schließlich die Gehörprobleme von Sänger Johnson - sicher manchmal daran gedacht, aufzuhören, sagte Angus Young. „Aber mein Bruder Malcolm sagte immer, ihr müsst weitermachen. Daran hat er immer geglaubt.“

Klar sei: „Man macht solange weiter, wie es geht.“ Jetzt gehe es erstmal darum, diese Tournee abzuschließen, ergänzte Williams. „Darauf verwenden wir all unsere Energie. Und dann werden wir sehen.“ Die beiden derzeit verbliebenen AC/DC-Urgesteine erklärten, dass Axl Rose nach den Gigs in Europa auch die amerikanischen US-Konzerte spielen werde. Danach will der 54-Jährige seine Tour mit Guns 'N Roses fortsetzen - zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten wieder gemeinsam mit Gitarrist Slash.

Die spektakuläre Zusammenarbeit soll ohnehin nicht für immer und ewig sein. Denn Johnson hatte Mitte April betont, er wolle seine Karriere noch nicht beenden: „Meine Ärzte haben mir gesagt, dass ich weiter in Studios Musik aufnehmen kann, und das will ich auch tun.“

Die schönsten Reaktionen auf  die bisherigen Auftritte

Musikexpress hat sich das letzte Konzert vor den Deutschland-Auftritten angeschaut. Reiner Reitsamer rockte mit AC/DC in Prag: „Schnell wird klar, dass diese Mischung passt, auch wenn Rose heute nicht in Höchstform ist. Mit dünner Stimme raunzt er gegen die Gitarrenwände an. Sein markantes Krächzen hat er verloren – sein Selbstbewusstsein nicht", findet Reitsamer in seinem Bericht. „In sagenhaft geschmackloser Montur stolziert er über die Bühne, predigt die Schöpfungsgeschichte des Rock („Let There Be Rock“), erzählt von Huren, Hölle und High Voltage.“ Axl Rose schmetterte die Songs „mit einer gehörigen Portion appetite for destruction entgegen“.

Die Prager Tageszeitung Mladá fronta Dnes befand: „Axl Rose hat bei AC/DC keinen Schaden angerichtet.“ Es sei nichts passiert, wofür man Rose hätte tadeln können. „Er kreischte wie eine Kreissäge, und das Konzert begann sogar trotz ihm nicht mit Verspätung. Er benahm sich wie ein Gast und das manchmal vielleicht sogar zu sehr“, schrieb Kritiker Václav Hnátek in seinem Bericht. Schade sei aber das Schweigen über Johnson gewesen.

Für Gitarrenfans ändert sich nichts: Ein 15 minütiges Solo.

Der Rolling Stone listet nach dem Konzert in Wien gleich zehn Gründe auf, warum AC/DC mit Axl Rose fantastisch sind. Nummer Drei: „Angus Young ist nach wie vor nicht nur ein grandioser Gitarrist sondern auch ein völlig durchgedrehtes Duracell-Häschen auf der Bühne – und nicht nur durch die grüne Schuluniform für zwei Stunden scheinbar alterslos.“

Der Metal-Hammer lässt lieber Videos sprechen: „Die Videos vom Wien-Konzert beweisen erneut, warum die Wahl von Axl Rose als Ersatz für Brian Johnson, der die Tour aufgrund eines drohenden Hörverlustes abbrechen musste, nicht die schlechteste für AC/DC gewesen sein dürfte.“

Der österreichische Kurier frotzelt zwar etwas uncharmant über den „Highway in die Altershölle“ – muss aber eingestehen: „Zwar nuschelte Rose zwischen den Songs etwas unmotiviert ('Ich stecke fest!') vor sich hin. Sonst aber entwickelt er eine Entertainer-Fähigkeit, die man dem einstigen Wrack (vor wenigen Jahren musste er bei Konzerten alle paar Minuten ins Sauerstoffzelt) gar nicht zugetraut hätte.“

Im französischen Blog „Condertandco“ schreibt ein Fan über das Konzert in Marseille, das Axl Rose im Sitzen geben musste: „Ich hab eine meiner besten Live-Erfahrungen erlebt – und eine der besten Präsentationen von AC/DC.“

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