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Vater der „Neuen Wilden“ : A. R. Penck im Alter von 77 Jahren gestorben

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Penck gilt als bedeutendster Gegenwartskünstler. Doch er war längst nicht nur Maler - sondern in vielen Bereichen kreativ.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 07:41 Uhr

Paris | Er war Maler, Bildhauer, Grafiker und - was viele nicht wissen - Jazzmusiker: Am Dienstag ist A. R. Penck im Alter von 77 Jahren in Zürich gestorben. Penck, der eigentlich Ralf Winkler hieß, sei länger krank gewesen, teilte die Galerie Michael Werner am Mittwoch in Paris mit. Der Kölner Galerist hatte Penck entdeckt und Ende der 60er-Jahre auch erstmals ausgestellt.

Auch jetzt, nach seinem Tod, kann man Pencks Kunst anschauen: Unter anderem in der erst im März eröffneten Ausstellung in Südfrankreich. Schon die Vernissage fand - aus gesundheitlichen Gründen - ohne den Künstler statt. Die Ausstellung soll noch bis zum 18. Juni im Museum Fondation Maeght in der Nähe von Nizza zu sehen sein.

Penck ist mit seiner Bildsprache aus Strichmännchen mit erigierten Penissen, Kreuzzeichen, Totenköpfen und beißenden Hunden bekannt geworden. Eine Zeichenkunst, mit der er die damalige Trennung Deutschlands und die Suche des Individuums nach einer freien Gesellschaft thematisiert. Er gilt als bedeutendster Gegenwartskünstler und Vater der „Neuen Wilden“. Das künstlerische Multitalent wurde am 5. Oktober 1939 in Dresden geboren.

Hintergrund: Neue Wilde

Künstler, die der Neuen Wilde oder Neue Heftige zugeordnet werden, traten in den frühen 1980er Jahren mit einer subjektiven, unbekümmerten und lebensbejahenden Malerei in Deutschland un Österreich an die Öffentlichkeit. Die Stilrichtung hat ihren Ursprung in der italienischen Tranavantgarde. In Deutschland war sie zunächst als Neoexpressionismus bekannt. Die „Wilde“ Malerei und der Begriff „Neue Wilde“ prägte dann der Kunsthistoriker Wolfgang Becker.

Großformatige Bilder mit betont malerische Weise und gezielter Formlosigkeit sind stilprägend. Schwungvolle und heftige Pinselstriche sowie kraftvolle Farben sind im Einsatz.

 

Von 1969 an bekam Penck mit dem Sicherheitsdienst der DDR zunehmend Probleme. Seine Bilder wurden beschlagnahmt und seine Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR abgelehnt. Vor allem nach der Verleihung des Will-Grohmann-Preises im Jahr 1975 durch die Akademie der Künste in West-Berlin nahmen die Kontrollen der Staatssicherheit zu. Im Jahr 1980 wurde Penck aus der DDR ausgebürgert und siedelte in den Westen über. Nur wenige Monate später mietete der Künstler in Paris ein Atelier in der Nähe des Künstlerviertels Montmartre.

Wie Picasso beschäftigte sich Penck mit ethnologischen und archäologischen Werken. Bereits in der DDR thematisierte er immer wieder die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft.

Von 1989 bis 2005 war Penck Grafik-Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Der Kunsthistoriker Siegfried Gohr, der ebenfalls lange an der Akademie lehrte, meinte, dass Penck im Westen noch nicht die eigentlich verdiente Anerkennung bekomme habe. Lange vor Keith Haring (1958-1990) habe Penck mit abstrahierten Figuren gearbeitet. Lange vor Basquiat (1960-1988) habe er eine Bilderzeichensprache entwickelt. Zuletzt lebte Penck in Irland.

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