Landestheater SH : So war die Premiere von „Mord auf Schloss Haversham“ in Rendsburg

Avatar_shz von 07. Dezember 2021, 10:05 Uhr

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Mord auf Schloss Haversham im Landestheater Schleswig-Holstein.
Mord auf Schloss Haversham im Landestheater Schleswig-Holstein.

Es war nicht alles perfekt bei der Premiere dieses Krimidramas. Begeisterten Applaus gab es trotzdem.

Rendsburg | Die Bühne zeigt einen plüschigen Salon im englischen Landhausstil – fertig eingerichtet bis auf den Kamin in Marmor-Optik. Hier müht sich die Inspizientin, einen Sims aufzubauen, der später im Stück eine im wörtlichen Sinne tragende Rolle spielen soll (Bühne: Julia Scheeler). Doch die Bauteile wollen nicht recht passen und ein tierischer Statist, der gegen Ende auftreten soll, ist auch noch abgängig. Nein, es ist nicht alles perfekt bei der Premiere des Krimidramas, auf das Regisseur Chris (Felix Ströbel) das Publikum in einer kurzen Ansage einstimmt. Und da nichts so vergnüglich ist, als Zeuge zu sein, wenn andere mit Pannen, Pech und Pleiten kämpfen, war die Stimmung im Rendsburger Publikum zur Premiere von „Mord auf Schloss Haversham“ schon nach den ersten Minuten dem Höhepunkt nahe. Mit viel Sinn für das irrwitzige Detail hat Andrea Thiesen das Spiel im Spiel inszeniert, geschrieben 2012 von Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields in bester Tradition von Michael Frayns Kassenschlager „Der nackte Wahnsinn“. Denn es geht so ziemlich alles schief bei dieser Aufführung – von der Licht- über die Tonregie, ganz zu schweigen von der Text- und Auftrittssicherheit der ambitionierten Laientruppe. Da laufen Dialoge ins Leere, weil einer der beiden Sprecher seinem Gegenüber ganz offenbar eine halbe Seite voraus ist, ein anderes mal verhaftet ein Spieler seine Mitakteure in einer textlichen Endlosschleife, weil er immer wieder das Stichwort für seinen Einsatz verpennt. Und neben dem vermeintlichen Mordopfer, das mehrfach versehentlich über die Bühne tapert (herrlich verpeilt: Simon Keel) gibt es durch einstürzende Requisiten und heftig aufgeschlagene Türen ein echtes Ohnmachtsopfer (Beatrice Boca) zu beklagen, das auffällig entsorgt und spontan durch Inspizientin Anni ersetzt werden muss. Mit Mut zur Lücke glänzt hier nicht nur Kimberly Krall, auch Reiner Schleberger gefällt als indignierter Butler genauso wie Christian Hellrigl und Gregor Imkamp, die als intrigantes Duo mit pointiertem Spiel und urkomischer Akrobatik überzeugen. Begeisterter Applaus. Nächste Aufführungen 7.12. Flensburg (19.30 Uhr) 12.12. Rendsburg (16 Uhr) ...

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