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Archäologen-Fund : 1000 Jahre alte Goldperle im Schwerin Schloss

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Das Schweriner Schloss steht auf einer Insel, die schon vor 1000 Jahren Herrschersitz war. Archäologen finden unter anderem eine Goldperle aus dem 11. Jahrhundert. Das kann Bedeutung für die Welterbe-Bewerbung haben.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 16:43 Uhr

Schwerin | Eine kleine, filigran gearbeitete Goldperle ist der Star: Sie ist der schönste Fund, den Archäologen bei ihren Grabungen in den vergangenen Monaten im Innenhof des Schweriner Schlosses gemacht haben. Die Perle stammt nach Aussage von Landesarchäologe Detlef Jantzen aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und wurde vermutlich in Skandinavien gefertigt.

Sie untermauert die Annahme der Forscher, dass die Insel im Schweriner See schon vor 1000 Jahren als Fürstenburg diente. Eine kleine Silbermünze aus dieser Zeit wurde ebenfalls ausgegraben. Sie gibt den Forschern Rätsel auf, denn ein vergleichbares Stück gibt es nicht, wie Jantzen sagte.

Diese lange, ununterbrochene Nutzung der Schlossinsel als Herrschaftszentrum – heute hat dort der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern seinen Sitz – könnte Bedeutung für die Schweriner Bewerbung um Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste haben. Landtagsdirektor Armin Tebben sagte, dafür müssten Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet werden. Das Residenzensemble allein reiche nicht aus.

Auch die bislang ältesten Belege für die Nutzung der Insel wurden bei der Grabung im Zuge von Bauarbeiten in den Jahren 2014 und 2015 entdeckt. Völlig unerwartet stießen die Archäologen auf einen slawischen Burgwall aus dem Jahr um 965. Und noch besser: Darunter fanden sich Reste eines noch älteren Burgwalls, der 941/942 oder kurz danach errichtet wurde. „Das haben dendrochronologische Untersuchungen der Hölzer ergeben“, berichtete Jantzen.

Der Wall, der eine Fläche mit einem Durchmesser von 40 bis 50 Metern umschloss, habe wohl als Fluchtburg für eine Siedlung in der Nähe gedient, nimmt Jantzen an. Allerdings gibt es aus dieser Zeit im Stadtgebiet von Schwerin keine passenden Funde, wie er einräumte. Die Fundstücke dort seien jünger.

Beim Bau ihres ersten Walls pfuschten die Slawen. Sie bauten den Kern mit weichen Hölzern und füllten ihn mit Torf, wie Grabungsleiterin Marlies Konze sagte. Schon nach wenigen Jahren sei er eingesackt. Um das Jahr 965 habe man sich entschlossen, den Wall zu erneuern. Dabei sei zugleich der Boden der Burg im Innern 1,80 Meter aufgeschüttet worden. „Die Leute hatten offenbar Probleme mit Wasser von unten.“ Die Arbeiten seien mit Sicherheit sehr aufwendig gewesen, so dass anzunehmen sei, dass die Insel für die Menschen schon damals sehr wichtig war. Wann genau aus der Flucht- eine Fürstenburg wurde, könne aber nicht gesagt werden.

Ein größerer Burgwall, der unter den Gebäuden des jetzigen Schlosses rund um den Innenhof verläuft, entstand nach einem Brand um das Jahr 1000, berichtete Jantzen. Später thronte auf der Insel eine mittelalterliche Burg und Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt das Schloss seine heutige Gestalt. Bis 1918 regierte dort der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Die Familie zu Mecklenburg führt ihre Wurzeln auf die slawischen Fürsten zurück, die seit Jahrhunderten auf der Insel residierten.

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