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Kunst : 100. Geburtstag von Meret Oppenheim

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Ihr bekanntestes Werk ist eine mit Gazellenpelz überzogene Tasse. Die Idee dazu war Meret Oppenheim gekommen, als sie mit Pablo Picasso und seiner damaligen Geliebten Dora Maar in einem Café in Paris saß.

Noch im selben Jahr kaufte der Gründungsdirektor des Museum of Modern Art (MoMA) in New York das «Frühstück im Pelz» (1936) und machte die damals gerade 23-jährige Schöpferin aus Berlin auf einen Schlag berühmt. An diesem Sonntag (6. Oktober) wäre Meret Oppenheim, eine der wichtigsten und ungewöhnlichsten Künstlerinnen der Moderne, 100 Jahre alt geworden.

Ihr Name geht auf das unbezähmbare und mit magischen Kräften ausgestattete Meretlein aus Gottfried Kellers Roman «Der Grüne Heinrich» zurück. Die Deutsch-Schweizerin hat ihm zeitlebens alle Ehre gemacht. Mit ihren Arbeiten, die Alltagsgegenstände spielerisch-humorvoll verfremden und sinnlich-erotisch neu interpretieren, gilt sie als Symbolfigur der Surrealisten. Berühmte Beispiele sind ihre Pelzhandschuhe, aus denen rotlackierte Krallen ragen (1936), oder die vorn zusammengewachsenen Schnürstiefel «Das Paar» (1956).

Allerdings hat sich Oppenheim nie in Schubladen stecken lassen. Sie schuf auch poetische Zeichnungen, Bilder und Gemälde, fantasievolle Schmuck- und Kleiderentwürfe, schrieb Gedichte und Traumdeutungen - und wurde zur Vorkämpferin der Frauenrechte in der Kunst. «Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen», sagte sie einmal.

Ihr rebellischer Geist machte sich schon früh bemerkbar. Als Tochter eines Hamburger Arztes und seiner Schweizer Frau wuchs sie in Süddeutschland und der Schweiz auf. Schon mit 18 zieht sie gemeinsam mit einer Freundin für fünf Jahre nach Paris. Als der besorgte Vater sich an den Psychoanalytiker C.G. Jung mit der Bitte um eine Diagnose wendet, bekommt er die Antwort: «Ich glaube nicht, dass der Fall allzu schlimm liegt. Sie scheint durch den Zusammenstoß mit der Welt einiges gelernt zu haben.»

  In Paris kommt die schöne und charismatische junge Frau bald in Kontakt mit Künstlern wie Alberto Giacometti, Hans Arp und André Breton, die sie an wichtigen Surrealisten-Ausstellungen beteiligen. Als der Fotograf Man Ray sie 1933 in einem Aktbild nackt an einer Druckerpresse inszeniert, kommt es zum Eklat - Oppenheim wird für Jahre auf die Rolle als «Muse der Surrealisten» festgelegt.

Daran ändert natürlich auch ihre leidenschaftliche Affäre mit dem deutschen Maler Max Ernst (1891-1976) nichts, dessen Liebesbriefe jetzt in dem neuen Dokumentarband «Meret Oppenheim. Worte nicht in giftige Buchstaben einwickeln» nachzulesen sind. «Sollte es Krieg geben», fleht er Anfang 1934, «so komm schleunigst vorher nach hier, damit wir in dasselbe Konzentrationslager kommen (nicht nur zum Schachspielen).» Sie bricht später die Beziehung zu dem deutlich älteren Geliebten ab: «Es hätte mich gehindert, meine eigene Persönlichkeit zu bilden.»

Der Fluch des frühen Ruhms: 1937 kehrt Oppenheim zutiefst verunsichert und voller Selbstzweifel nach Basel zurück. Sie stürzt in eine Schaffenskrise, die fast 18 Jahre andauern wird. Erst lange nach der Heirat mit dem Kaufmann Wolfgang La Roche in Bern 1949 findet sie zu ihrer einst übersprudelnden Kreativität und Experimentierfreude zurück.

Eine Retrospektive im Modernen Museum in Stockholm bringt ihr 1967 den internationalen Durchbruch. Es folgen weitere große Ausstellungen etwa in Basel, Bern und Paris. 1982 nimmt sie an der documenta 7 teil und erhält den Großen Preis der Stadt Berlin. Drei Jahre später stirbt sie mit 72 Jahren in Basel an einem Herzinfarkt.

Zu ihrer berühmten Pelztasse, die trotz allem bis heute ihr Markenzeichen geblieben ist, sagte sie einmal recht entwaffnend: «Was mich gereizt hat, als ich diese Idee hatte: der absolute Gegensatz von Pelz und Porzellan. Und all diese Auslegung, die jetzt da gemacht wird, diese ganzen erotischen Auslegungen, da habe ich nicht im Traum dran gedacht. Ich fand es nur komisch, eine Tasse mit Pelz. Also gut, von mir aus können sie auslegen, wenn sie wollen!»

Oppenheim-Seite des Fördervereins

Munzinger zu Oppenheim

Pressemappe zur Ausstellung in Berlin

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erstellt am 04.Okt.2013 | 17:01 Uhr

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