Nord-Ostsee-Bahn in Bedrängnis : Kommentar: Zu knapp kalkuliert?

Privatbahnen haben für Wettbewerb gesorgt. Doch bei Ausschreibungen sollte das Land künftig Angebote auf Grundlage von Billiglöhnen aussortieren, meint Margret Kiosz.

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01. September 2011, 07:21 Uhr

Es sieht so aus, als sollten die Skeptiker recht behalten, die die Dumping-Angebote der Nord-Ostsee-Bahn schon vor Jahren als auf Dauer nicht tragfähig einstuften. Doch die Landesregierung erteilte der Privatbahn freudig den Zuschlag. Das Nachsehen hatte die angeblich so träge Staatsbahn mit ihrer Tochter DB-Regio. Der Monopolist am Boden, besiegt von von einem "kleinen" Newcomer, der für frischen Wind sorgt?
Richtig ist auch heute noch, dass mehr Wettbewerb auf der Schiene den Reisenden und dem Staatssäckel gut tut. Er hat für einen Quantensprung in der Qualität gesorgt. Die über die Jahre deutlich gestiegen Fahrgastzahlen im regionalen Schienenverkehr sprechen für sich. Unstreitig ist auch, dass die Konkurrenz der ehemals selbstherrlichen Staatsbahn auf die Sprünge geholfen hat. Früher konnten ihr Kundenzufriedenheit - Pünktlichkeit, Sauberkeit, Freundlichkeit, Komfort - und bezahlbare Tickets egal sein. Das ist heute zum Glück anders.
Doch nicht erst seit den Streiks der Lokführer bekommen vor allem Pendler im Norden auch die Kehrseite der Medaille zu spüren. Auf der Marschenbahn gen Sylt wurden sie bei der Übernahme der Strecke von der NOB als Versuchskaninchen missbraucht. Unerfahrenes Personal und problematisches Wagenmaterial sorgten monatelang für skandalöse Zustände. Und weil zu knapp kalkuliert worden war, presste die angeblich so kleine Privatbahn - hinter der in Wirklichkeit ein international agierender Riesen-Konzern steckt - dem Land einen finanziellen Nachschlag ab. Wenn jetzt die NOB-Lokführer in Scharen das Weite suchen, sollte auch das Land Konsequenzen ziehen und bei Ausschreibungen Angebote auf der Grundlage von Billiglöhnen aussortieren - damit der Wettbewerb fair bleibt.

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