Schlachten in der Schule? : Kommentar: Westeuropäer sind entfremdet

Dass ein Kaninchen vor Kinderaugen geschlachtet wird, war noch vor 40 Jahren normal. Das sollte es auch heute sein, meint sh:z-Redakteurin Kathrin Emse.

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31. März 2011, 08:26 Uhr

Der Fall zeigt, wie entfremdet die meisten Westeuropäer mittlerweile von ihrem Essen sind. Nicht nur, dass viele Fleischesser sich weigern, das - wohlgemerkt - pfannenfertige Schnitzel zum Braten anzufassen und in die Pfanne zu legen. Jetzt geht es um das Töten an sich. Wann ist ein Kind alt genug zu sehen, dass ein Tier sterben muss, um es zu essen? Mit drei, mit zehn, mit 16? Das ist nur dann ein Thema, wenn Fleisch grundsätzlich aus der Kühltheke und Milch aus der Tüte kommt. In ärmeren Ländern ist dies ebenso irrelevant, wie es noch in den 1960er und 70er Jahren in Deutschland war, als viele Familien sich ihren Weihnachtsbraten - das Kaninchen (!) - im heimischen Gartenstall hielten. Ein Tier, das die Kinder dann nicht nur einmal vor dem Schlachten und Essen gesehen und angefasst hatten.
Auch darf nicht vergessen werden, dass die Kinder von Ratekau nicht zum Zugucken gezwungen wurden, sondern sich dafür entschieden haben. Zu kritisieren ist hier nur, dass die Eltern nicht vorab informiert wurden. Dennoch: Die Ratekauer Kinder werden jetzt sehr viel bewusster Fleisch essen - oder wissen, warum sie das nicht mehr tun wollen.

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