Fachkräftemangel an Kliniken : KOMMENTAR: Vor dem Kollaps

Krankenhäuser schlagen wegen chronischer Unterfinanzierung Alarm. Doch ob die Politik reagiert, steht auf einem anderen Blatt.

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20. September 2011, 07:41 Uhr

Das klingt nach Krankenversorgung per Rechenschieber. Um knapp 1,5 Prozent also sollen die Vergütungen für Schleswig-Holsteins Krankenhäuser im kommenden Jahr steigen. Das ist angesichts der Rahmenbedingungen zwischen Lohnforderungen auf der einen und den Folgen des demografischen Wandels auf der anderen Seite nicht einmal zum Sterben genug. Zum (Über-)Leben einer angemessenen und am Patienten orientierten Gesundheitsversorgung wird es hinten und vorne nicht reichen. Rechengrößen wie die jetzt kalkulierte blenden offenbar völlig aus, dass nicht wenige Krankenhäuser schon heute - finanziell wie personell - am Stock gehen. Leidtragende im wahrsten Wortsinn sind nicht nur Ärzte und Pflegekräfte, sondern auch Patienten. Immerhin hat die Politik das Problem der Unterfinanzierung erkannt. Ob sich Schleswig-Holstein im Bundesrat mit der Forderung auf Nachbesserungen durchsetzen wird, steht auf einem anderen Blatt.
Es mag angesichts des Alarmrufs der Krankenhausgesellschaft ein Zufall sein: Ebenfalls gestern hat eine von Gesundheitsminister Heiner Garg gestartete Initiative zur langfristigen Sicherstellung der Gesundheitsversorgung das Licht der Welt erblickt. Nun könnte man auf die Idee kommen, die Berufung eines Beirats als den üblichen politischen Reflex auf ungelöste Probleme zu verunglimpfen. Das aber wäre nicht nur ungerecht, sondern auch falsch. Garg holt - bundesweit bisher ohne Vorbild - alle Akteure aus Krankenversorgung, Pflege und Rehabilitation an einen Tisch, um Strategien für den Umgang mit dem demografischen Wandel zu entwickeln. Das verspricht Konsens statt Konflikt. Und Konsens tut Not, soll der Kollaps unseres Versorgungssystem vermieden werden. Was ein solcher Kollaps bedeutet, ist anderswo in Europa längst zu besichtigen; wer zu alt ist, bekommt etwa in England keine neue Hüfte mehr. So einfach und so schlimm kann es kommen. Noch ist Zeit gegenzusteuern. Hoffen wir, dass Garg und sein Beirat die Chance nutzen, Bewegung in die Debatte zu bringen und vor allem - anschließend zu handeln.

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