Kommentar: Versteckt und verdächtig

Nur mit Offenheit und Transparenz können muslimische Gemeinden Vertrauen in der Gesellschaft gewinnen. In Pinneberg passiert gerade das Gegenteil.

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19. Januar 2011, 11:31 Uhr

Ehrlicherweise muss man sagen, dass von der Pinneberger Al-Sunna-Moschee bislang kein öffentlich wahrnehmbarer Rechtsbruch ausgegangen ist. Und in einem Land, in dem Religionsfreiheit herrscht, dürfen Muslime sich versammeln und beten, wo immer sie wollen - auch in einem kleinen Raum eines unscheinbaren Gebäudes in einem nicht einsehbaren Hinterhof in der City einer schleswig-holsteinischen Kreisstadt.
Das regt im Prinzip ja auch niemanden auf. Wenn in Pinneberg und darüber hinaus trotzdem die Alarmglocken läuten, dann aus anderen Gründen. Die Hinterhof-Moschee wird in einschlägigen Internet-Foren als Ausweichquartier für die in Hamburg geschlossene Taiba-Moschee empfohlen, die bekanntermaßen ein Hort des Islamismus war, also einer übersteigerten, intoleranten, letztlich gewalttätigen Variante des Islam. Der Verfassungsschutz nimmt solche Hinweise ernst und die Mini-Moschee unter Beobachtung. Und womöglich haben die Staatsschützer schon das ein oder andere Gesicht gesehen, das den Hamburger Kollegen aus der Taiba-Moschee bekannt war.
Vor diesem Hintergrund spielt es dann doch eine Rolle, dass es sich in Pinneberg um eine versteckte Moschee handelt, deren Existenz monatelang über den Gebetskreis hinaus gar nicht bekannt war. Warum tritt die neue Gemeinde nicht offen und transparent in Erscheinung? Warum hat sie aus dem Auftritt eines ehemaligen Hass-Rappers, der angeblich nur von der segensreichen Wirkung seines Übertritts zum Islam berichten sollte, so ein Geheimnis gemacht? So schürt man Ängste und bringt sich selbst in Verdacht.
Wie es richtig geht, können die Pinneberger Muslime bei ihren Brüdern in Rendsburg lernen. Dort ist die größte Moschee des Landes offen für Begegnungen, es werden Deutsch-Kurse angeboten, eine Zusammenarbeit mit der Volkshochschule angestrebt, offener Austausch gepflegt. Ein Hort der Integration.

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