Bildungspolitik : KOMMENTAR: Spielball der Parteipolitik

Bildungspolitik ist für viele Parteien Mittel zu Profilierung. Dabei ist Schule zu wichtig, als dass sie der Parteipolitik überlassen werden darf, sagt Karin Lubowski.

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22. April 2012, 02:00 Uhr

Kiel | Wer wissen will, wie es um das Bildungssystem bestellt ist, der besuche eine Schulkonferenz. Seit Jahren ist dort die Rat- und Hilflosigkeit groß. G8, G9, Regional- oder Gemeinschaftsschule - ja, nein, vielleicht. Je nach Mehrheits- und Machtverhältnissen kommen Rauchzeichen aus Kiel, die mit Schul- und Schülerwirklichkeit wenig zu tun haben; abgegeben werden sie vor allem dann, wenn es beim Wahlvolk zu punkten gilt.
Schule ist bei uns Spielball der Parteipolitik; Parteien aber haben die nächste Wahl im Visier; und Wahlen folgen so dicht aufeinander, dass kein Gesetz, selbst eines, das nicht mit der heißen Nadel genäht ist, die Chance hat, wirklich zu greifen.
Wird Bildungsgerangel zum gesellschaftlichen Desaster?
Kinder haben Anspruch auf Zeit und Zuwendung. Das gilt für zu Hause - und für die Schule erst recht. Da werden Weichen für ihre Zukunft gestellt, da entscheidet sich, ob sie dem Gebot des lebenslangen Lernens mit Freude nachkommen können, da brauchen die Kinder Lehrer, auf deren kompetenten Beistand sie sich verlassen können. 60.000 Jugendliche in Deutschland können dies bislang nicht; so viele verlassen jedes Jahr ohne Abschluss die Schulen. Und genau da droht das Bildungsgerangel zum gesellschaftlichen Desaster zu werden: Schon heute bleiben 70.000 Lehrstellen unbesetzt und schon längst fehlen Fachkräfte.
Schule ist zu wichtig, als dass sie der Parteipolitik überlassen werden darf. Schule braucht einen breiten gesellschaftlichen und vor allem nationalen Konsens. Und Schule braucht die Chance, unaufgeregt zu arbeiten. Vor allem aber brauchen unsere Schulen vernünftige Ausstattungen, ausreichend Personal, das gut ausgebildet ist, angemessene Klassengrößen. Und nach dem Bedarf frage man bitte Schüler, Lehrer, Eltern - und nicht Parteipolitiker.

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