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Facebook will die Zentrale des Internets werden : Kommentar: Facebook speichert alles

vom

Mit seinem neuen Dienst will Facebook Emails, Chat und SMS in einer Plattform vereinen. Doch schon Google ist damit gescheitert, gibt Oliver Havlat zu bedenken.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2010 | 06:59 Uhr

Es soll tatsächlich schon Menschen geben, die sich einen Computer nur zulegen, um damit die Seiten von Facebook aufrufen zu können. Wenn es nach Mark Zuckerberg, dem Gründer des Sozialen Netzwerks geht, könnten daraus noch viel mehr werden: Facebook, so will es sein Schöpfer, soll zur Zentrale des Internets werden. Und seine Nutzer sollen ihm dabei helfen.
Facebook weiß jetzt schon, was wir mögen, wofür wir uns interessieren und was uns Spaß macht - weil wir auf den Netzseiten, die wir gut finden, auf den "Gefällt mir"-Button klicken. Facebook speichert das. Facebook weiß, wen wir kennen und mit wem wir regen Kontakt haben, weil wir unsere Freundeslisten auf Facebook pflegen und Einladungen zur Geburtstagsfeier mittlerweile über Facebook abwickeln. Facebook speichert, ob wir zu- oder abgesagt haben. Facebook weiß, wo wir sind, weil wir auf unseren Handys "Places" nicht deaktiviert haben und uns regelmäßig an unseren Aufenthaltsorten "einchecken". Facebook speichert auch das.
Facebook versucht, woran Google gescheitert ist

Und jetzt will Facebook alles: Denn Emails, SMS und Chat, unsere Kommunikationsmittel jenseits des Telefons, will der Konzern aus Kalifornien auch auf seiner Plattform vereinen. Wer Facebook nutzt, dem soll der große Rest des Netzes fast egal sein können. Das ist die Vision.
Facebook versucht damit etwas, woran zuletzt Google gescheitert ist: Einen universellen Kommunikationsdienst zu schaffen. Google hat sein Projekt "Wave", das Email und Chat zusammenführen sollte, erst kürzlich beerdigt. Den Nutzern war es zu kompliziert. Und "Google Buzz", das die Verbindung aller Social Media-Dienste leisten (und Google damit alle vom Nutzer produzierten Daten liefern) soll, leidet an der Abstinenz seiner User. Die haben arge Datenschutzbedenken.
Google und Facebook streiten um den Online-Werbemarkt
Beide Firmen verfolgen dasselbe Ziel: Sie wollen sich einen möglichst großen Kuchen am Online-Werbemarkt sichern. Facebook sammelt dazu möglichst viele Daten über seine Kunden, um ihnen passgenaue Werbung zeigen zu können. Google blendet zu Suchanfragen gezielt Werbung ein. Der Ansatz des neuen Kommunikationsdienstes passt also schon allein aus diesem Grund mehr zur Philosophie Facebooks als zur Strategie von Google.
Ob Facebook den "Kampf der Giganten" allerdings zu seinen Gunsten entscheiden wird, hängt nicht zuletzt von zweierlei Faktoren ab: Zum einen wird Facebook seine mittlerweile 500 Millionen Nutzer davon nur überzeugen können, wenn die Technik einfach, verständlich und intuitiv bedienbar gehalten wird. Das hat Google nicht geschafft. Zum anderen müssen die Menschen erst einmal bereit sein, ihre persönlichen Daten vollständig in die Hand einer einzigen Firma zu legen - einer Firma, deren Gründer unlängst verlauten ließ, er halte Privatsphäre für ein veraltetes Konzept.

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