OECD-Studie : Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Der Abstand zwischen Arm und Reich ist nach einer neuen Studie nicht nur ein soziales Problem. Auch das Wachstum wird gehemmt. Forderungen nach Umverteilung erhalten neue Nahrung.

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09. Dezember 2014, 17:24 Uhr

Wachsende soziale Ungleichheit auch in Deutschland hemmt laut OECD das Wirtschaftswachstum - SPD und Linke fordern deshalb mehr Umverteilung von oben nach unten. „Umverteilung stärkt uns alle“, sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel am Dienstag in Berlin.

Der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, verlangte höhere Löhne, eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes und eine Abgabe auf höhere und höchste Vermögen.

Nach einer neuen Erhebung der OECD ist die Kluft zwischen Arm und Reich in vielen OECD-Ländern so groß wie seit 30 Jahren nicht mehr. Seit den 80er Jahren habe sich auch der Abstand zwischen Arm und Reich in Deutschland deutlich erhöht.

„Ärmere Gruppen investieren in der Regel weniger in Bildung, und das wiederum beeinflusst die soziale Mobilität und die Ausbildung von Kompetenzen im jeweiligen Land“, so die OECD. Nach Berechnungen der Experten hätte das Wachstum in Deutschland bei gleichbleibender Einkommensungleichheit zwischen 1990 und 2010 statt 26 Prozent fast sechs Prozentpunkte höher ausfallen können. Sie meinen damit das inflationsbereinigte Bruttoinlandsprodukt. Dauerhaftes Wachstum sei nur bei energischem Eintreten gegen wachsenden Ungleichheit möglich. OECD-Generalsekretär Angel Gurría forderte: „Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken.“

Wachsen und gedeihen würden vor allem jene Länder, die alles daran setzen, dass ihre Bürger von klein auf gleiche Chancen haben. Gezielte Umverteilung durch Steuern und Transferleistungen könnten dabei helfen. Im Kern gehe es um die Bildungschancen von Kindern aus sozial schwächeren Familien.

Schäfer-Gümbel nahm für die SPD in Anspruch, in der Regierung bereits gegenzusteuern. „Vor allem der Mindestlohn erhöht das Einkommen von fast vier Millionen Menschen und ist ein wichtiges Instrument für mehr soziale Gerechtigkeit.“ Ab 2015 gilt in Deutschland eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro.

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