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Film : «Zum Geburtstag»: Psychothriller um teuflischen Pakt

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Paul ist heimlich in Anna verliebt. Paul hat Geburtstag. Und Paul bekommt, was er will: Der schüchterne Gymnasiast fälscht einen Liebesbrief, in dem Anna, die eigentlich mit seinem besten Freund Georg zusammen ist, ihm angeblich ihre Liebe gesteht.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2013 | 08:23 Uhr

Als er Georg die Zeilen zeigt, während das Mädchen im Badesee schwimmt, reagiert dieser überraschend: «Anna gehört dir. Nimm's als mein Geburtstagsgeschenk.» Aber Georg, der demnächst mit seiner Familie umzieht, stellt ihm eine Bedingung: «Wenn ich zurückkomme, kriege ich sie wieder.» Außerdem muss Paul ihm sofort eine neue Freundin aussuchen - und mit genau jenem zufällig ausgewählten Mädchen fährt Georg denn auch davon.

Ein Geschenk in Denis Dercourts Psychothriller «Zum Geburtstag» mit späten Folgen: 30 Jahre später kehrt das, was damals an einem Sommertag in den 80er Jahren in der DDR passierte, wieder in Pauls Leben zurück. Noch immer sind der Finanzberater und seine Anna (Marie Bäumer), inzwischen Biologieprofessorin, zusammen - ein scheinbar perfektes Paar, das einen Sohn und eine Tochter im Teenageralter hat. Als sein neuer Chef in der Bank den Dienst antritt, holt ihn nicht nur die Lüge von damals wieder ein, sondern bringt auch Angst und Misstrauen mit sich. Sein Vorgesetzter ist ausgerechnet Jugendfreund Georg (Sylvester Groth), der Anna bei seiner Rückkehr wiederhaben wollte.

Und noch immer will? Als Georg noch mit jener Yvonne - von Sophie Rois unheimlich und grotesk zugleich verkörpert - zusammen ist, die Paul ihm am Ufer des Badesees ganz zufällig ausgesucht hatte, beginnt ein finsteres Kammerspiel. Jeder der Protagonisten scheint etwas zu verbergen. Wer will was? Wer sagt die Wahrheit? Wem kann man trauen? Ein düsteres Spiel aus Lügen und Intrigen, Angst und Misstrauen nimmt seinen Lauf. «Hast du überhaupt nichts begriffen? Dieser Mann ist der Teufel!», sagt Paul zu Anna. Dabei scheint Georg - Groths diabolisches Mienenspiel lässt manchmal schaudern - sich zunächst weder an Anna noch an den Pakt von damals zu erinnern. Doch das Böse breitet sich in unheimlicher Stimmung immer weiter aus.

Regisseur Dercourt («Das Mädchen, das die Seiten umblättert»), wollte einen Thriller machen, der sich stark an der Märchenthematik orientiert und drehte genau aus diesem Grund in Deutschland. «Märchen gehören hier zur Kultur, der Teufel als Symbol für das Böse ist hier viel wichtiger als in Frankreich», erklärt der in Berlin lebende Franzose in einer Mitteilung. Weder habe er Interesse an einem «Feel-good-Movie» noch an klassisch guten Helden.

Auch «Zum Geburtstag» kennt keine klare Teilung in Gut und Böse - alle, selbst Nebenfiguren, wirken irgendwie undurchschaubar. Welche Rolle der Anfangsschauplatz DDR dabei spielt, erklärt sich erst später. Das gegenseitige Misstrauen und Belauern des Anderen sorgen in Dercourts Film so zwar für Spannung, doch der in kühlen Bildern erzählte Thriller wirkt oft auch zu konstruiert, zu künstlich, zu starr.

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