Film : Wortkarger Star in Westernkluft - Sam Shepard wird 70

Sam Shepard wird 70. Lorenvu
Sam Shepard wird 70. Lorenvu

Ein Lächeln kommt ihm auf der Leinwand selten über die Lippen.

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04. November 2013, 08:07 Uhr

Sein grüblerischer Blick und seine asketischen Gesichtszüge passen perfekt zu den Figuren, die Sam Shepard berühmt machen: der einsame Farmer in Terrence Malicks «In der Glut des Südens», der Einzelgänger in Volker Schlöndorffs «Homo Faber» oder der unbeugsame Testpilot in Philip Kaufmans «Der Stoff, aus dem die Helden sind». Diese Rolle brachte dem wortkargen Leinwand-Star 1984 eine Oscar-Nominierung ein.

Shepard, der am Dienstag (5. November) 70 Jahre alt wird, hält sich von Hollywood gewöhnlich fern. Er lebte jahrelang auf einer Ranch im ländlichen Minnesota. Er trägt am liebsten Jeans und Cowboystiefel und macht so seinem Ruf als Amerikas «Kultur-Cowboy» alle Ehre.

In der Westernkluft steckt ein Alleskönner: Shepard ist Schauspieler, Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Sein Bühnenstück «Buried Child» erhielt 1979 den Pulitzer-Preis, die begehrteste amerikanische Literatur-Auszeichnung. Für die Premiere seines Bühnendramas «Kicking a Dead Horse» in Dublin konnte er 2007 den irischen Schauspieler Stephen Rea gewinnen.

Mit dem Drehbuch für den Wim Wenders-Film «Paris, Texas» holte er sich 1984 die Goldene Palme in Cannes. Wenders, der ihn unbedingt als Hauptdarsteller vor die Kamera holen wollte, erhielt von Shepard damals eine Absage. Doch 2005 konnte Wenders seinen engen Freund nicht nur als Drehbuchschreiber, sondern auch für die Rolle des abgehalfterten Film-Cowboys Howard Spence in «Don't Come Knocking» gewinnen.

Am liebsten schreibt Shepard über zerrüttete Familien, den Mythos des Westens, Pioniere und Individualisten - Dinge, die ihm bestens vertraut sind. Er wuchs als Sohn eines Militär-Offiziers auf, der ständig mit der Familie umzog und nach Shepards Worten «mit Leib und Seele dem Alkohol verfallen war». Von der elterlichen Farm in Kalifornien aus schloss sich Shepard einem Tournee-Theater an und kam mit 20 Jahren nach New York, wo er Theaterstücke schrieb. In wenigen Jahren avancierte er zu einem der meistgespielten amerikanischen Dramatiker.

Nach erfolgreichen Drehbüchern, unter anderem für Michelangelo Antonionis «Zabriskie Point», trat Shepard selbst vor die Kamera. In dem Farmer-Drama «In der Glut des Südens» (1978) wurden die Filmneulinge Shepard und Richard Gere entdeckt. Bei den Dreharbeiten zu «Frances» lernte Shepard 1982 seine langjährige Lebensgefährtin Jessica Lange kennen, mit der er eine Tochter und einen Sohn hat. Aus einer früheren Ehe kommt ein weiterer Sohn dazu. Sein Privatleben hält Shepard unter Verschluss. Das Paar war schon eine Weile auseinander, als Langes Sprecher im Dezember 2011 der US-Zeitschrift «People» die Trennung offiziell bestätigte.

Shepard, der nach eigenen Worten nie ein Filmstar werden wollte, um nicht seine Glaubwürdigkeit als Autor zu verlieren, ließ sich dennoch für große Hollywoodproduktionen einspannen, darunter «Die Akte», «Swordfish», «Black Hawk Down», «Wie ein einziger Tag» und «Stealth - Unter dem Radar». An der Seite von Uma Thurman wagte Shepard mit «Zufällig verheiratet» sogar einen ungewöhnlichen Abstecher ins Komödien-Genre.

Interviews gibt Shepard selten. Doch im Juni 2012 lockte ihn das Männermagazin «GQ» aus der Reserve. «Ich habe mich nie als Movie-Star gesehen und ich wollte auch keiner werden», versicherte der Schauspieler. Als Hauptdarsteller sei er nicht mehr gefragt, und das sei eine Erleichterung. «Jetzt kann ich reine Charakterrollen spielen, genau was ich immer wollte».

Shepard hat kleine Rollen in zig großen Filmen. Mit Sean Penn und Naomi Watts war er in dem Politdrama «Fair Game» zu sehen, mit Denzel Washington und Ryan Reynolds in dem Agententhriller «Safe House», mit Brad Pitt in dem Poker-Krimi «Killing Them Softly». Matthew McConaughey steht er in dem Independent-Streifen «Mud» zur Seite. 2014 kommt er mit Christian Bale in dem düsteren Familiendrama «Out of the Furnace» in die Kinos.

Clint Eastwood wollte Shepard für seinen Western «Erbarmungslos» gewinnen, doch er habe die Rolle damals ausgeschlagen. Das bedauere heute, resümiert der Schauspieler. Gene Hackman spielte am Ende den sadistischen Sheriff und holte damit den Oscar als bester Nebendarsteller.

Verschlossene Außenseiter, die sich ungerne anpassen, das sind Shepards stärkste Rollen. Offenbar nicht nur auf der Leinwand. Er habe keinen Computer, kein Internet, keine E-Mail. «Ich habe nichts von diesem Mist», erzählt Shepard der Zeitschrift «GQ» im vorigen Jahr. Glaubt man dem Künstler, so wird er nie seine Memoiren schreiben. «Wer mich verstehen möchte, der soll meine Stücke lesen, oder sie anschauen, oder meine Bücher lesen. Weiter muss ich nicht gehen».

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