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Film : Western aus Deutschland: Nina Hoss sucht «Gold»

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Ein Western aus Deutschland - das hat Seltenheitswert. In «Gold» sattelt Schauspielstar Nina Hoss («Barbara», «Yella») das Pferd, um als deutsche Auswanderin in Kanada das Schicksal herauszufordern. Beim Goldrausch am Klondike River will sie im Jahr 1898 ihr Stück vom Glück abbekommen.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2013 | 00:27 Uhr

Der deutsch-türkische Regisseur Thomas Arslan («Im Schatten», «Ferien») hat einen streng komponierten, sorgfältig choreographierten Film geschaffen, der in diesem Jahr als einziger deutscher Beitrag im Wettbewerb der Berlinale lief - bei der Preisvergabe allerdings leer ausging. Es ist die Sehnsucht nach einem besseren Leben, die Emily (Hoss) antreibt. Sie schließt sich einer Gruppe Gleichgesinnter an. Alle sind sie deutsche Einwanderer, die ihre erbärmlichen Lebensumstände in der neuen Heimat USA hinter sich lassen und im benachbarten Kanada Gold waschen und reich werden wollen.

Arslans Geschichte ist fiktiv, doch der Regisseur recherchierte fast ein Jahr lang über deutsche Auswanderer in Nordamerika und den Goldrausch am Klondike, dem damals Hunderttausende erlagen. «Ich fand es sehr spannend, Deutsche einmal nicht als Von-der-Migration-Betroffene, sondern als Migranten zu zeigen», sagte Arslan im dpa-Interview. «Denn das waren keine Einzelfälle. In dem Zeitraum von etwa 1830 bis 1900 sind an die sechs Millionen Deutsche in die USA ausgewandert. Das war lange Zeit die größte Auswanderergruppe in die USA. Mich hat interessiert, so einmal einen anderen Blick auf die deutsche Geschichte zu werfen.»

Beim Lesen alter Tagebücher fiel Arslan auf, dass sich damals tatsächlich auch Frauen ganz allein auf den Weg gemacht oder sich einer Gruppe angeschlossen haben, um ihr erstickendes Leben hinter sich zu lassen. An der Seite der zurückhaltend agierenden Hoss spielen im Film unter anderem Peter Kurth als zwielichtiger Anführer der Goldsuchergruppe und Uwe Bohm als windiger Journalist, der die abenteuerliche Reise des Trupps dokumentieren will. Arslans Stil ist zurückgenommen, fast lakonisch und vermeidet jeden Effekt. Die Natur ist viel größer als der von seinem Willen und Streben getriebene Mensch, macht der Regisseur mit jedem Kamerablick deutlich.

Bei der Berlinale war «Gold» etwas verhalten aufgenommen worden. Nach dem Festival zogen sich Arslan und seine Cutterin noch einmal ins Studio zurück, um den ursprünglich 113 Minuten langen Film um 13 Minuten zu kürzen. Wenn Kritiker allerdings bemängelten, das Werk ziehe sich etwas zäh dahin, meinten sie wohl nicht die Länge des Films, sondern eher die Geduld und Einfühlung erfordernde, ruhige Erzählweise Arslans. Der Regisseur verzichtet nämlich gänzlich auf eine vordergründige Charakterisierung seiner Figuren, die den Zuschauer zur Identifikation einladen könnten.

Bei aller Konzentration auf Authentizität bleiben die großen Kino-Emotionen aber tatsächlich etwas auf der Strecke. Der Weg durch Kanadas unerforschte Wildnis bis zum Gold-Fluss ist weit und gefährlich. Doch Emily hat nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Mit einem Planwagen, Pferden und weiteren, als Lastenträgern eingesetzten Tieren sind die Abenteurer auf ihrer kräftezehrenden Reise unterwegs - doch ihrem Ziel scheinen sie auch nach endlosen Tagen und Nächten, nach tragischen Unfällen und folgenschweren Streitereien keine Meile näher zu kommen.

Manche geben auf, einer wird wahnsinnig, ein anderer als Verräter überführt und fast gelyncht. Doch Emily setzt ihren Weg fort. Das Ende ist offen.

Gold

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