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Film : «The Congress»: Blick in eine unheimliche Zukunft

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Ari Folmans preisgekrönter Film «Waltz with Bashir» war ein Meilenstein für die Animationskunst im Kino. In seinem neuen Werk «The Congress» nutzt der israelische Filmemacher erneut Comic-Elemente und entwirft damit die düstere Vision einer Zukunft, die in Wirklichkeit schon begonnen hat.

Star der mit realen und animierten Figuren gedrehten Science-Fiction-Geschichte ist Hollywood-Schauspielerin Robin Wright - und zwar im doppelten Sinne. Robin Wright (47) spielt im Film eine Schauspielerin namens Robin Wright, die immer weniger Rollenangebote bekommt. Ihr Manager (sehr verständnisvoll abwägend gespielt von Harvey Keitel) hat nun aber ein unglaubliches Angebot aufgetan, das alle Probleme von Robin lösen könnte.

Sie soll sich von einem großen Hollywood-Studio scannen lassen, das mit der animierten Robin dann Filme nach Belieben drehen kann. So bleibt sie zwar auf der Leinwand für immer jung, ihre wirkliche Persönlichkeit verschwindet dafür jedoch nach und nach aus der Realität.

«Es geht um Identität und den Verlust von Identität», sagte Folman bei den Dreharbeiten, die unter anderem auf dem stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof und im Kreuzberger Club «Wild at Heart» stattfanden. Denn: «Wir könnten sehr bald aufwachen und es gibt keine echten Schauspieler mehr», sagte der Regisseur mit Blick auf die neuen computergenerierten Kinobilder und bereits in der Realität benutzte Körperscanner und Motion-Capture-Verfahren.

«Die Frage ist: Können Filme überleben ohne die innere Seele der Schauspieler?» Diese Frage beantwortet Folmans Film selbst. Je mehr die virtuelle Welt in die Realität einbricht, umso mehr animierte Szenen im Comic-Stil - einer Mischung aus klassischer Zeichentrick-Anmutung und Manga - gibt es in «The Congress».

Doch so faszinierend die «animierte Zone» mit ihren eigentümlichen flirrenden, schwebenden Fantasiewesen ist: An die Ausstrahlungskraft der echten Robin Wright und ihrer echten Mitspieler kommen die Comic-Charaktere lange nicht heran.

Folmans Film basiert sehr frei auf Stanislaw Lems Roman «Der futurologische Kongress». Nach dem stark autobiografisch gefärbten Animationsfilm «Waltz with Bashir» über den Libanon-Krieg hat Folman das Genre ganz bewusst gewechselt. «Ich brauchte eine Pause von mir selbst. Und Fantasy war der beste Weg», sagte der Regisseur.

Folman reißt in «The Congress» eine Vielzahl von Themen an, die er parodiert, persifliert, in ihrer düsteren Ernsthaftigkeit aber doch immer ernst nimmt: Jugendwahn und die Macht der Filmindustrie, die Sucht der Menschen nach immerwährendem Glück, nach Gesundheit, reiner Liebe und Schönheit. Als sich für die Bewohner der «animierten Zone» die Möglichkeit eröffnet, für immer in der heilen und erträumten Welt zu bleiben, stehen einige der zu Comic-Figuren gewordenen Menschen auf: um zu rebellieren.

The Congress

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erstellt am 09.Sep.2013 | 10:07 Uhr

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