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Film : Spannend und verstörend: Sex-Thriller «Der Fremde am See»

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Berlin (dpa) – Während spontanes Nacktbaden in deutschen Waldseen zum Alltag gehört, ist es in Frankreich nahezu unbekannt. So genügte es im Nachbarland schon zur Sensation, dass die Handlung des Spielfilms «Der Fremde am See» ausschließlich an einem illegalen FKK-Strand spielt.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2013 | 08:23 Uhr

Zudem sorgten explizite schwule Sex-Szenen für enorme Aufmerksamkeit. Beim diesjährigen Internationalen Filmfestival in Cannes avancierte das Werk von Regisseur Alain Guiraudie allerdings zum Geheimtipp und gewann in der Reihe «Un Certain Regard» gleich zwei Preise.

Der Film wird durchgehend von der Atmosphäre eines lähmend-heißen Sommers geprägt: Franck treibt es täglich an den kleinen Strand eines Waldsees. Doch ihn lockt nicht die Lust an Abkühlung im Wasser. Zwischen den Bäumen und Büschen am Ufer streunen regelmäßig Männer auf der Suche nach unkompliziertem Sex mit Männern herum. Franck, jung und knackig, hat es hier leicht, seine körperliche Lust zu befriedigen.

Der von Anfang an durch unheilschwere Bilder geprägte Film zeigt die Szenerie zunächst beiläufig. Wichtiger erscheint erst einmal die Freundschaft, die Franck fern jeglicher erotischer Interessen mit Henri knüpft. Den schon älteren Mann treibt der Schmerz über die Trennung von seiner Freundin an den Ort. Die Gespräche der so unterschiedlichen Männer drehen sich um die Sehnsucht nach Liebe. Doch unter Liebe verstehen die Zwei jeweils etwas ganz anderes.

Die Harmonie des Duos zerbricht, als sich Franck in Michel verguckt. Dessen erotische Anziehung empfindet der junge Mann als enorm. Das ändert sich auch nicht, nachdem Franck beobachtet, wie der Angebetete einen Mord begeht. Deshalb sagt er dem ermittelnden Kommissar auch nicht, was er weiß. Damit lässt sich der Verliebte auf eine tödliche Affäre ein.

«Der Fremde am See» besticht lange mit einer von vielen Geheimnissen und erotischen Andeutungen geprägten Erzählung. Alain Guiraudie entwickelt die vom Pesthauch des Todes umwehte Lovestory mit Lust an Körperkult und Krimispannung. Zunächst mutet das trotz einiger expliziter Sexszenen geradezu feinsinnig an. Doch dann schockiert das von brutaler Gewalt gezeichnete Finale ungemein. Keiner der Protagonisten überlebt den mörderischen Sommer unbeschadet. Und auch viele Zuschauer dürften am Ende arg verstört sein.

Der Fremde am See

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