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Film : «Prince Avalanche»: Berlinale-Bären-Gewinner

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Ein Road-Movie der ganz eigenen, mit einem seltsamen Paar der sympathischen Art: «Prince Avalanche» erzählt von zwei sehr durchschnittlichen Typen, die eine nicht enden wollende texanische Straße mit Mittelstreifen und Pfosten zu bestücken haben.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 12:23 Uhr

David Gordon Green hat die Regie übernommen, in den Hauptrollen zu sehen sind Paul Rudd («Immer Ärger mit 40») sowie Emile Hirsch («Milk»). Zum winzigen Ensemble des in nur 16 Tagen eingefangenen Films gehört auch Lance LeGault (TV-Serie «Das A-Team»), der nach den Dreharbeiten 77-jährig verstarb. Bei den Filmfestspielen von Berlin wurde Greens Indie-Komödie Anfang 2013 mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet.

Zu Beginn des Films erfahren wir von verheerenden Bränden, die 1987 große Flächen an texanischem Wald und 1600 Häuser zerstört haben. Im Jahr darauf machen sich die Protagonisten des Films daran, eine Landstraße durch abgebranntes Waldgebiet mit neuen Markierungspfosten und gelben Mittelstreifen zu versehen. Alvin (Rudd) und sein Arbeitskollege, der einige Jahre jüngere Lance (Hirsch), haben wenig gemein: Alvin liebt es, allein in der Natur zu sein, während Lance sich am liebsten in der Stadt aufhält, um dort Mädchen zu erobern. Weder in Musikdingen noch beim Essen kommen sie auf einen Nenner, und doch verbindet beide mehr, als es zunächst scheint: Alvins Freundin ist immerhin die Schwester von Lance.    

Kilometer um Kilometer arbeiten sich beide voran mit ihrem roten Arbeitsauto. Keine Seele weit und breit, nur Alvin und Lance, Asphalt und viel, viel Wald. Einmal treffen sie auf einen kauzigen Trucker (LeGault) und Alvin lernt eine Lady kennen, die in den Überresten ihres Hauses nach ihrem Flugschein sucht. Ansonsten sind die beiden Männer einfach zu lange miteinander allein, es kommt zu Auseinandersetzungen und Rangeleien. Als Alvin erfahren muss, dass sich seine Freundin von ihm getrennt hat, scheinen die Dinge völlig außer Kontrolle zu geraten. Das sich anschließende Saufgelage aber übt eine gleichsam kathartische Wirkung aus auf das komplizierte Verhältnis zwischen Lance und Alvin.       

Paul Rudd, bekannt aus Judd Apatow-Komödien wie «Beim ersten Mal», ist hier kaum wieder zu erkennen: Mit Schnauzbart, Lockenkopf und billiger Arbeitsbrille wirkt er prolliger als zuletzt in «Immer Ärger mit 40», der Apatow-Komödie über eine vierköpfige Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs. Rudd spielt seinen Alvin sehr solide, mit eher reduzierten Gesten und reicht dabei nicht ganz heran an Emile Hirsch. Der 28-Jährige zählt spätestens seit Sean Penns «Into the Wild» zu den stärksten unter Amerikas jüngeren Mimen. Hirsch und Rudd ist es auch zu verdanken, dass die allmähliche Annäherung ihrer Figuren unkitschig vonstatten geht, und so aus einem skurrilen Road- beinahe noch ein ungewöhnliches Buddy-Movie wird.

Zudem ist die angenehm unaufgeregt und lässig inszenierte Komödie (mit melancholischem Unterton) eine hübsche Antithese zu all den Mega-Blockbustern und immens teuren Actionfilmen, die das amerikanische Kino derzeit so dominieren. «Prince Avalanche» braucht keine computeranimierten Gimmicks und auch keine drei Dimensionen, um über eineinhalb Stunden gut zu unterhalten. David Gordon Green derweil, der selbst in Texas aufgewachsen ist, unterstreicht nach seinem «Ananas Express» von 2008 nicht nur erneut, dass er sich auf Road-Movies versteht. Mit dem schräg-skurrilen Bären-Gewinner «Prince Avalanche» findet der Regisseur auch zu seinen Ursprüngen im unabhängigen US-Kino zurück.

Prince Avalanche

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