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Film : Olli Dittrich als «König von Deutschland»

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In seiner Satire «König von Deutschland» nimmt David Dietl den Einfluss der Marktforschung auf Wirtschaft und Politik aufs Korn. Trotz spannender Grundidee und Olli Dittrich in der Hauptrolle zündet das Debüt des Sohns von Helmut Dietl nicht so richtig.

Zwischen Schrankwand, Ledergarnitur und Großbildfernseher, auf den er täglich vier Stunden lang guckt, lebt der Angestellte Thomas Müller (Olli Dittrich) in einer Mietwohnung mitten in Deutschland. Mit seiner Ehefrau Sabine (Veronica Ferres) redet der blasse Mittvierziger 15 Minuten, beider Sex dauert genau 7 Minuten. Um 6.18 Uhr klingelt bei Müller der Wecker, im Bad braucht er 24,6 Minuten. Sein Auto ist ein Volkswagen, das Lieblingsgericht Schnitzel mit Kartoffelsalat. Das ist die Ausgangslage im Kinofilm «König von Deutschland».

«An ihm ist doch nichts Besonderes. Er ist todlangweilig und stinknormal», ätzt der halbherzig rebellische Sohn Alexander (Jonas Nay), der noch bei den Eltern lebt, über seinen Vater. «Ja, vielleicht ist es genau das», antwortet dessen Freundin Mira (Jella Haase) schlau.

Und tatsächlich: Die Durchschnittlichkeit des Mannes, den man früher als Otto Normalverbraucher bezeichnet hätte, macht ihn attraktiv für die Meinungsforschung - sprich für Wirtschaft und Politik. So kommt es zu einem für ihn undurchsichtigen Spiel, das mit dem Rauswurf aus seiner Firma beginnt. Müller, der einen hohen Kredit abbezahlen muss, landet im sehr anonym wirkenden Unternehmen Industries Unlimited. Dort muss er nichts Anderes tun, als mit seinem diabolischen Chef Stefan Schmidt (Wanja Mues) Möbel, Kleidung und Lebensmittel einzukaufen und zu allem seine Meinung zu sagen.

Wie ist Thomas Müller zunächst irritiert, wenn er im Fernsehen seine Empfehlungen als neue Produkte oder Parteien-Wahlslogans wiederentdeckt. Schließlich muss er erkennen, das sein gesamtes Privatleben heimlich gefilmt und verwertet wird. Da endlich bemüht sich der nette Normalo, sich von seiner Durchschnittlichkeit zu befreien und über sich selbst hinauszuwachsen. Gedreht wurde all das mitten in Deutschland - in Hannover, Gera, Erfurt und Niederdorla (Thüringen). Und es hätte so schön werden können: eine gesellschaftskritische Grundidee, die Besetzung mit Kultkomiker Dittrich, der wahrhaft genial - zwischen Fernseh-«Dittsche» und diversen Werbespots - in die Haut von Durchschnittsbürgern zu kriechen versteht. Dazu ein junger Autor und Regisseur, dem als Sohn des großen, inzwischen 68-jährigen Helmut Dietl («Schtonk!», «Rossini») das Genre der Parodie quasi in die Wiege gelegt worden sein müsste.

Jedoch: Das Kinodebüt des 31-jährigen David Dietl - zugleich sein Abschlussfilm an der Hochschule DFFB in Berlin - enttäuscht. Vom brillanten Geist Dietls erklärter Vorbilder, amerikanische Sozialsatiren wie Peter Weirs «Die Truman Show» (1998) und Sam Mendes' «American Beauty» (1999), lässt es wenig spüren. Nur schwach spannt sich der Handlungsbogen in der Produktion der Berliner Frisbeefilms mit diversen Kooperationspartnern. Ziemlich vorhersehbar reiht sich alles aneinander, Szenen und Dialoge fehlt es dabei an Pointiertheit und funkelndem Witz. Die Politsatire erschöpft sich in den wechselnden Slogans des Wendehals-Politikers Kurt Knister (Stephan Grossmann) von der SÖLK-Partei - die steht für «sozial-ökologisch-liberal-konservativ».

Auch unser Wirtschaftssystem zwischen Marktforschung und oft überflüssigen Konsumartikeln wird nur grob analysiert. Wenig hilft es da, dass der im Grunde natürlich immer bemerkenswerte Dittrich seinen Thomas Müller liebevoll mit hängenden Schultern und naiver, sympathischer Bescheidenheit ausstattet. Der Schauspieler erhält hier einfach nicht den Story- und Gag-Rahmen, um seinen Alltags-Antihelden subversiv auffächern zu können. Und der mögliche Reiz, dass Dietl junior mit Veronica Ferres («Schtonk!», «Rossini») die Ex-Geliebte seines Vaters engagierte, geht kaum auf, weil sie die nörgelnde Ehefrau in Strickweste ziemlich uninspiriert darstellt.

Fazit: Mittelmaß - bei David Dietls Debütfilm ist das nicht nur das Thema, sondern leider auch die Machart.

König von Deutschland

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erstellt am 02.Sep.2013 | 11:57 Uhr

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