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Film : Margarethe von Trottas «Hannah Arendt» auf DVD

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Das letzte Jahr war eine Zeit der Ehrungen: Beim Göteborger Filmfestival erhielt Margarethe von Trotta (71) den «Ehrendrachen» für ihr Lebenswerk. Zuvor schon hatte sie den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises bekommen und war in New York für ihren Beitrag zur deutsch-jüdischen Aussöhnung mit der Leo-Baeck-Medaille ausgezeichnet worden.

Und mit ihrem wichtigen und preisgekrönten Film über die Philosophin und Publizistin Hannah Arendt, der jetzt auf DVD erschienen ist, gelang von Trotta wieder einmal das Porträt einer starken Frau, wie sie so häufig im Zentrum ihres Filmschaffens stehen.

«Hannah Arendt» war für die Regisseurin eine Riesen-Herausforderung. «Es war bestimmt der schwierigste Film, den ich je gemacht habe», sagte von Trotta der dpa. «Weil man einen Menschen beim Denken beschreiben muss.» Er sei aber auch einer ihrer wichtigsten Filme. «Hannah Arendt war sicherlich eine der größten Intellektuellen des vorigen Jahrhunderts.»

Auch die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) lobte das Porträt einer außergewöhnlichen Frau und verlieh dem Film das Prädikat «besonders wertvoll». «Die sichere Führung der Protagonisten ist nur eine Facette der Regiekunst von Margarethe von Trotta, die mit diesem Porträt über eine der faszinierendsten Frauengestalten des 20. Jahrhunderts ihren wohl wichtigsten und besten Film inszenierte», hieß es in der Begründung der FBW-Jury.

Ihre Arbeiten zum Totalitarismus machten sie international bekannt: Die deutsch-amerikanische Philosophin und Politologin Hannah Arendt (1906-1975) stammte aus einem liberalen jüdischen Elternhaus bei Hannover. In den 20er Jahren studierte sie Philosophie und Theologie, unter anderem bei Martin Heidegger. Vor den Nationalsozialisten floh sie zuerst nach Frankreich, dann in die USA. Dort arbeitete sie als Lektorin, Wissenschaftlerin und Journalistin.

1951 erregte Arendt mit ihrem Hauptwerk «The Origins of Totalitarianism» Aufsehen. Die deutsche Fassung «Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft» erschien 1955. Darin analysiert sie unter anderem die strukturelle Gleichheit von Faschismus und Stalinismus - eine damals umstrittene These.

1961 löste Arendts Berichterstattung über den Eichmann-Prozess in Jerusalem heftige Kontroversen aus. Sie beschrieb den NS-Verbrecher Adolf Eichmann nicht als Monster, sondern als normalen Spießbürger und Bürokraten. Ihre Artikel, die Arendt für eine amerikanische Wochenzeitung verfasste, erschienen 1963 in Buchform auf Deutsch unter dem Titel «Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen».

In ihrem konzentrierten, hochkarätig besetzten Drama «Hannah Arendt» beleuchtet Margarethe von Trotta nun die vier entscheidenden Jahre, in denen die nur in Fachkreisen bekannte Philosophin zu einer öffentlichen Figur wurde. «Wir wollten von Hannah Arendt erzählen, ohne sie oder ihr Leben und Werk zu reduzieren, aber auch ohne das übliche Biopic-Genre zu bedienen», sagt die Regisseurin laut Presseheft.

Hauptdarstellerin Barbara Sukowa, die seit vielen Jahren für Margarethe von Trotta in Filmen wie «Die bleierne Zeit» und «Rosa Luxemburg» vor der Kamera steht, spielt die vielbewunderte historische Figur glaubwürdig und ohne falsche Ehrfurcht. Wir tauchen ein ins Privatleben der kettenrauchenden, humorvollen Denkerin, verfolgen die Diskussionen mit ihrem Ehemann Heinrich Blücher (Axel Milberg) und der stets loyalen Freundin Lotte Köhler (Julia Jentsch).

Bei ihrem langjährigen Kollegen und Freund Hans Jonas (Ulrich Noethen) stößt schon der Plan, vom Eichmann-Prozess zu berichten, auf Unverständnis. Auch ihr väterlicher Freund Kurt Blumenfeld (Michael Degen), der in Israel lebt, wendet sich von Arendt ab und mag ihr selbst auf dem Totenbett nicht verzeihen.

Hannah Arendt

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erstellt am 21.Okt.2013 | 16:47 Uhr

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