Film : «Last Vegas»: Douglas und De Niro drehen in Las Vegas auf

Die komplette Starbesetzung an einem Tisch.
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Die komplette Starbesetzung an einem Tisch.

«Last Vegas» geht manchmal unter die Gürtellinie, wie es sich für eine Männerkomödie, die im Party-Mekka Las Vegas spielt, eben gehört. Doch dass der Oldie-Klamauk nicht in die Hose geht - dafür sorgt die geballte Starpower von Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman und Kevin Kline.

shz.de von
11. November 2013, 12:23 Uhr

Erstmals stehen die vier Oscar-Preisträger gemeinsam vor der Kamera. Obendrein erhalten sie noch Verstärkung von einer Oscar-prämierten Kollegin. Mary Steenburgen («Melvin und Howard») macht der ergrauten Männerriege richtig Dampf. Anfangs geht es nur um die Jungs. Da waren sie noch rotzfreche Bengel in Brooklyn, die um die ersten Freundinnen buhlten und sich als beste Buddys ewige Freundschaft schworen. Dann macht «Last Vegas» einen Zeitsprung nach vorn, genauer gesagt 58 Jahre später geht die Story richtig los.

Seniorenklischees wie aus dem Bilderbuch: Sam (Kline) langweilt sich an der Seite seiner Frau im Rentnerparadies in Florida. Archie (Freeman) lebt nach einem leichten Schlaganfall im Haus seines Sohnes. Paddy (De Niro) ist ein kauziger Witwer in New York, der nur seine Ruhe will. Billy (Douglas), der es zu Geld gebracht hat, geht im kalifornischen Malibu mit blonder Föhnfrisur und Sonnenbräune auf die 70 zu. Seine Freundin hat gerade die 30 überschritten, als der ewige Junggeselle um ihre Hand anhält.

Der Plot ist einfach: Vor der Blitzhochzeit in Las Vegas müssen die besten Freunde dem Bräutigam ihren Segen geben. Dazu haut man mit einer Bachelor-Party auf den Putz. Billy muss sich dabei einiges anhören. Einige seiner Hämorrhoiden seien fast so alt wie die Braut, wirft ihm Archie an den Kopf. Solch derbe Sprüche sind zum Schmunzeln, wenn sie ein graugelockter Freeman mit breitem Grinsen klopft. «Last Vegas» ist eine schräge Mischung aus «Hangover» und «Das Beste kommt zum Schluss».

In dem Junggesellenklamauk stürzen sich Bräutigam und Kumpel in der Casino-Stadt in einen Vollrausch. In der Tragikomödie spielen Jack Nicholson und Freeman zwei todkranke Männer, die sich ein letztes Mal ins turbulente Leben werfen. Auch das «Last Vegas»-Quartett lässt nichts aus. Die Senioren landen in einer Penthouse-Suite, mogeln sich in heiße Discos, feiern Pool-Partys und wachen auf einem Bett auf, das sich dreht. Einen besseren Werbefilm, zudem mit Starbesetzung, hätte sich die Casino-Stadt nicht wünschen können.

Doch von der oberflächlichen Glitzer-Action von Las Vegas kehren die alten Freunde immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es geht auch um alte Rivalitäten, Liebe, Loyalität und Altersängste. Dabei legt Regisseur Jon Turteltaub wert auf Feel-Good-Momente und auf Figuren, die Gefühle zeigen. Ein Händchen für leichten, unterhaltsamen Tiefgang bewies der «Das Vermächtnis der Tempelritter»-Regisseur früher schon mit seinen Disney-Filmen «Cool Runnings» und «Während Du schliefst».

Doch Turteltaubs größter «Last Vegas»-Verdienst ist die Besetzung des Films mit den einst gefragtesten Darstellern Hollywoods, die ihre Rollen inzwischen lockerer nehmen. «Vier Kerle, die nichts mehr beweisen müssen», so drückte es Michael Douglas in einem Interview des «San Francisco Chronicle» aus. Statt sich als Konkurrenten zu sehen, hätten sie sich alle gegenseitig voll unterstützt. Nicht zu vergessen die weibliche «Hilfskraft» Mary Steenburgen, die mit rauchiger Stimme als Club-Sängerin auftritt.

Souverän spielt sie die jungen Bikini-Girls an die Wand. Mit 60 Jahren ist die Schauspielerin in der fortgeschrittenen Alterskategorie ihrer männlichen Kollegen. Daran haben Sam, Archie, Paddy und Billy nichts auszusetzen. Im Gegenteil. «Last Vegas» hat ein Happy End mit Lach- und Altersfalten.

Last Vegas

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