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Film : Kinoklassiker in Gefahr

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Für eine Kultureinrichtung wird hier mit ziemlich gefährlichen Stoffen hantiert. «Nitrocellulose fällt unter das Sprengstoffgesetz», erklärt Egbert Koppe und zieht die schwere Brandschutztür hinter sich zu.

Der Stoff ist so explosiv, dass er für Raketenantriebe und als Bergbausprengstoff verwendet werden kann. Aber Koppe ist kein Sprengmeister, sondern Chef der Filmrestaurierung des deutschen Bundesarchivs. Früher wurden aus leicht entflammbarer Nitrocellulose auch Filme gemacht.

In Hoppegarten bei Berlin werden diese für eine Langzeitlagerung präpariert und dupliziert, manche sind über 100 Jahre alt. Etwa 150 000 Titel aus der deutschen Filmgeschichte bewahrt das Bundesarchiv an seinen verschiedenen Dienstorten auf. Magaziniert sind sie auf insgesamt einer Million Filmrollen und Videokassetten. Und es kommen ständig neue hinzu. «Unsere Aufgabe ist es, die Filme zu erschließen und über die Restaurierung und Konservierung für die Nachwelt zugänglich zu machen», sagt Referatsleiter Koppe.

Zum Beispiel «Das boxende Känguruh» von 1895. Das Jahr gilt als Geburtsstunde des deutschen Kinos. Damals luden die Brüder Max und Emil Skladanowsky zur ersten Filmvorführung ins Berliner Varieté Wintergarten. Oder «Geheimnisse des Orients» von 1928: Der Film lief neulich bei den UFA-Filmnächten auf dem Berliner Schinkelplatz. Zuvor sei er im Archiv in Hoppegarten «frisch restauriert» worden, sagt Koppe. Die Klassiker werden geflickt, durchlaufen Reinigungsbäder und allerlei Prozeduren mehr.

Das Problem ist die anschließende Lagerung. Eigentlich sollte es längst einen modernen Neubau geben für die Filmarchivierung. Die Pläne reichen bis in die 1990er Jahre zurück. Doch das Bundesarchiv hat weiter Standorte in Koblenz, Berlin und eben in Hoppegarten. Das ist nicht nur mit logistischem und finanziellem Mehraufwand verbunden. Auch die Filme leiden darunter. Einige Magazine seien in einem desolaten Zustand, heißt es beim Bundesarchiv.

So lägen die klimatischen Bedingungen für Schwarz-Weiß-Filme am Standort Berlin-Wilhelmshagen seit Jahren außerhalb des internationalen Standards, sagt Referatsleiter Koppe. «Zudem hat die mangelnde Frischluftzufuhr dazu geführt, dass uns die chemischen Ausdünstungen der Filme Arbeitsschutzprobleme beschert haben.» Austretendes Naphthalin sorgte im Frühjahr für Schlagzeilen. «Giftgas bedroht den Filmschatz von Berlin», hieß es in den Zeitungen.

In einer Art Notumlagerung wurden dann 250 000 Filmrollen provisorisch in eigentlich für Aktenlagerung vorgesehene Magazine auf ein ehemaliges Stasi-Gelände in Hoppegarten gebracht. Aber dort reiche die Klimatechnik für eine fachgerechte Lagerung ebenfalls nicht aus, sagt Koppe. «Die Filme leiden darunter, gehen auch kaputt. Bei der Restaurierung wirft uns das um Jahrzehnte zurück.»

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte noch im vergangenen Oktober betont, welch wichtiges Kulturgut Kinofilme seien. Als «einzigartiges Zeugnis» unserer Geschichte müssten sie für nachfolgende Generationen erhalten werden, sagte Neumann, nachdem das Bundeskabinett die Pflichtregistrierung der Kinofilme beschlossen hatte. Diese sei ein wichtiger Schritt zur dauerhaften Sicherung des Filmerbes im Bundesarchiv als dem zentralen nationalen Filmarchiv.

Aber diesen zentralen Ort gibt es nicht. Die Zentralisierung der Arbeitsbereiche des Filmarchivs in Hoppegarten würden derzeit von der Bundesregierung geprüft, erklärt ein Sprecher des Kulturstaatsministers. Anschließend sei dann noch ein «Erkundungsverfahren» durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vorgesehen, in dessen Rahmen auch die Kostenhöhe für das Projekt festgestellt werden soll. Nach schnellen Lösungen klingt das nicht.

Bundesarchiv, Abteilung Film

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erstellt am 23.Aug.2013 | 08:03 Uhr

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