Goldener Ehrenbär für das Lebenswerk : Jesus und Antichrist: Berlinale ehrt Schauspieler Willem Dafoe

Willem Dafoe hat viele Gesichter – das stellte er schon in sehr unterschiedlichen Rollen unter Beweis.
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Willem Dafoe hat viele Gesichter – das stellte er schon in sehr unterschiedlichen Rollen unter Beweis.

Willem Dafoe ist ein vielseitiger Schauspieler. Jetzt erhält würdigt die Berlinale den 62-Jährigen mit einem Ehrenbären.

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20. Februar 2018, 09:59 Uhr

Berlin | Er kann von ganz böse bis sehr lieb: Willem Dafoe beherrscht als Schauspieler eine Bandbreite wie wenige in Hollywood. Die Berlinale ehrt den US-Amerikaner jetzt für sein Lebenswerk.

Er war Jesus in Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“, der penible FBI-Ermittler in „Mississippi Burning“ und – mit seiner Stimme – ein Tropenfisch in „Findet Nemo“: Die Filmkarriere von Willem Dafoe (62) verlief alles andere als konventionell. Von einer Kleinstadt in Wisconsin über eine New Yorker Off-Bühne nach Hollywood: Mit seinem markanten Ausdruck zählt Dafoe heute zu den prägenden Namen des US-amerikanischen Kinos.

In Martin Scorseses Verfilmung „Die letzte Versuchung Christi“ aus dem Jahr 1988 mimt Dafoe den innerlich zerrissenen Jesus Christus.

Dreimal wurde er für einen Oscar nominiert, im vergangenen Jahr hat er sechs Filme gedreht, mehr als hundert sind es bisher insgesamt.

Mit „The Florida Project“ ist er jetzt im Oscar-Rennen um die beste männliche Nebenrolle.

Aber schon jetzt kommt Dafoe bei der Berlinale zu Ehren: An diesem Dienstag wird er mit einem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk geehrt, seine wichtigsten Filme laufen als Hommage während der Festspiele.

Dafoe zählt zu den eher zurückhaltenden Filmstars. „Die Kritiker lieben ihn. Aber niemand tratscht über ihn“, schrieb das Fachblatt „Hollywood Reporter“. Mitte der 70er-Jahre stieß Dafoe zur Wooster Group, einer unabhängigen Theatercompanie, um den Schauspielberuf zu erlernen. Die Gruppe trat in einer alten Fabrikhalle in SoHo auf. Aus dieser Zeit stammt die Liebesbeziehung zu Elizabeth LeCompte, Leiterin der Gruppe, die fast drei Jahrzehnte hielt, bis Dafoe 2004 die italienische Regisseurin Giada Colagrande kennenlernte.

Für sein Lebenswerk erhält Dafoe einen Goldenen Ehrenbären auf der Berlinale.
Seeliger, imago

Für sein Lebenswerk erhält Dafoe einen Goldenen Ehrenbären auf der Berlinale.

 

Lange blieb das Theater Dafoes Schwerpunkt, 1980 trat er erstmals vor die Kamera in einer kleinen Nebenrolle in Michael Ciminos „Heavens Gate“. Eine Hauptrolle bekam er im Biker-Film „ The Loveless“, der zweiten Regiearbeit von Kathryn Bigelow („Zero Dark Thirty“). Es folgte ein Auftritt als Geldfälscher in William Friedkins „Leben und Sterben in L.A.“. Als Vietnam-Soldat in Oliver Stones „Platoon“ wurde er schließlich einem größeren Publikum bekannt.

Ob intellektuell-anspruchsvoll oder im Entertainment – Dafoe springt über die Genregrenzen und hat sich damit in das Gedächtnis der Zuschauer gespielt. Das zeigen seine intensiven Auftritte etwa in Lars von Triers „Antichrist“ und Abel Ferraras „Pasolini“ oder seine Rolle als Schurke in „Speed 2“.

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